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Köln…bitte entschuldigen sie, wie war das mit Alexandria nochmal?

Alle, die schon immer Feuerwehrmann werden wollten, haben wieder einen Grund. Ich frage mich, warum ich eigentlich Kulturwissenschaftler geworden bin.

Endlich ist wieder was los…und wir mit unseren Medien live dabei:  „Ich hab gedacht, dass ist wie der 11.September“. Selbst das „Heute Journal“ vom 4.März, welches ich durch Zufall sah, als ich auf  Kulturzeit wartete, konnte sich dieser Metapher nicht entziehen. Dahergesagt wurde sie von einer Frau…“Christiane Haerlin, Augenzeugin“ – sagt der Untertitel.

Vielleicht ist sie Archivarin? Endlich ist Archivar also auch ein Beruf mit Berufsrisiko…ein Fulltime Adrenalinrausch- mit globalgeschichtlichem Anschluss. Nix mehr mit Feurwehrmann- Der Ernstfall als „säkularisiertes Wunder“, man sehe einfach mal in den Briefwechsel zwischen Carl Schmitt und Hans Blumenberg. Wahrscheinlich lag die Lust am Wunder und am Ernstfall doch aber vielmehr beim Journalisten, der gefilmt hat, beim Redakteur, der das dann noch aussuchte und schnitt sowie nicht zuletzt bei all denen die dies ausstrahlten und dafür ihre Billigung gaben. Ich sehe Schäuble schon im Hintergrund die Hände reiben. Da sehnt man sich fast ein paar katholische Bischöfe herbei, die denen endlich mal das Wunder aus dem teuflischen Maul reißen. Die Folge davon- die Freund/Feind Dichotomie ist beabsichtigt- zumindest scheint es so.

Vielleicht war die arme Frau auch einfach nur geschockt. Jedenfalls verlange ich eigentlich vom verantwortungsvollen Journalismus, dass man diese Frau nicht so benutzt, um dieses billige Spiel mitzuspielen. Scheusslich ist das und nichts anderes. Wenn dabei nicht vielleicht wirklich Menschen gestorben wären und es mir die Pietät verbietet, könnte man darüber lachen, wie einfach eigentlich Journalisten heutzutage gestrickt sind; das Billigste und Einfachste, jenes Naheliegendste wird genommen und verwertet, ist ihnen gerade gut genug. „Schatz“ und „11.September“ sind solche Metaphern, die jene Beschränktheit sinnfällig vor Augen führen. Wahrscheinlich kommen sich diese Leichenfledderer auch noch ganz „investigativ“ und besonders „nah am Ball dran“ vor. Die Trennung zwischen Werturteil und Bericht wurde ja gemacht, da haben sie sich nichts vorzuwerfen. Sie haben ja eine(n) Dumme(n) dem sie das in die Schuhe schieben können. Arme Christiane Haerlin, armes ZDF! Ein Glück, dass ich keine GEZ Gebühren bezahle, Fernsehen nur bei Freunden schaue und auch keinen Computer besitze. Genauso zynisch und dümmlich, leserverachtend hab ich in meinem Praktikum bei der SäZ den Umgang mit Zitaten erlebt, ja geradezu gezeigt bekommen.

Stimmung machen, das ist alles was die Einfältigen können- da nimmt sich Aushilfsprintjournalismus im Lokalbereich nichts vom Bilderfeuer und Nachrichten-Flaggschiff eines ganzen Senders.

Sowas ähnliches wollte wohl auch Roger Willemsen sagen, als er damals vorm unsäglich lästerlichen Kerner versuchte das Label Reich Ranitzky wenigstens teilweise in Schutz zu nehmen. Deutsches Fernsehen wie immer am Boden, aber es war auch nicht anders zu erwarten. Vielleicht werde ich mir doch mal ein neuartiges Rundfunkempfangsgerät zulegen, sicher aber nicht, um damit ZDF zu schauen. Wenigstens wurden ein paar Nachlässe und Schriften zumindest im Beitrag erwähnt, es muss den Vertretern der Bildkultur schwer gefallen sein. Ich kann mir ihren Hurra Ruf beim Anfahren der Betonlaster vorstellen. „Kippt es endlich ganz zu, dieses scheiss Schriftenloch und Zettelgrab! Erwartet ihr etwa von uns, dass wir denen da draußen jetzt auch noch das „kulturelle Gedächtniss“ in einem kleinem Beitrag erklären?- He, das haben wir doch auch nur in einer Vorlesung gehört…“ – aber ich gleite ab ins Imaginäre. Schande über mich. Diese Journalisten nehmen doch sicher ihren Bildungsauftrag ernst. Dies verbürgt doch die Miene des Moderators.

„Hock mal lieber weiter in deiner Literatenzelle“, hör ich da die Flöhe husten. „Wenn die jetzt auch noch die Kriegsvokabeln da rausholen, wo doch der eigentliche Feind höchstens menschliche Unzulänglichkeit und das komplette Versagen der Verantwortlichen oder der zuständigen Befehlsketten ist, dann, ja dann sind die Zeiten wirklich bitter“. Ich sehe, meine flohhaften Mitbewohner beweisen mehr Intelligenz und Gespür für Diskurse als jene Journalisten vom Zweiten…aber naja, auf einem Auge sieht man besser, oder wie war das? Ich werd jetzt doch lieber Betonarbeiter, Fundamentsetzer oder irgendwas. Vielleicht mach ich auch meinen Presslufthammerschein, das kommt ja dem Kulturwissenschaftler in Zukunft entgegen.

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