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Sächsische Verhältnisse im Jahre 2009 n. Chr.

Die allgegenwärtige Beredtheit zeugt nur von Vergessenheit. Über die Gründe des Schreibens hält man sich in der Regel bedeckt. Man versucht Seiten zu füllen ohne auf den aktuellen Anlaß des Sprechens zu verweisen. Die Medien sind interessanter, wenn man versucht von dem zu reden, was sie verschweigen.
So werden beispielsweise in der Sächsischen Zeitung lieber Straßenbauproblematiken in den Mittelpunkt [„Aufreger“] gestellt, als an wirkliche soziale Defizite erinnert. Migration ist nur einer davon. Migrant_innen kommen als wirkliche Menschen bei uns genausowenig zur Sprache wie überall sonst. Die echten Menschen werden ersetzt durch Schablonen, welche die Medien liefern und an welchen sich die professionellen Abschreibern lieber laben, anstatt sich der Arbeit auszusetzen, Neue zu erfinden.
In der „realistischsten“ Erzählform der Reportage von heute, wird das hundert Jahre alte Problem des Naturalismus am wenigsten bedacht. Die Welt abzubilden ist nicht möglich, das Vorhandene weiter zu zementieren jedoch wird allerorten weiter vorangetrieben. Der Migrant mit Kopftuch ist das Problem sagen sie uns, welches als Chimäre erkannt zu haben und kritisch anzusprechen die wenigsten Stimmen im herrschenden Diskurs mächtig sind. Wir haben uns an den Doppelsprech in Politik und Medien schon lange gewöhnt. Eigentlichkeit findet, wenn überhaupt nur noch in der Literatur und vielleicht noch in Kunstkinos oder auf dem Theater statt. Sich dieser Redeweise überhaupt auszusetzen haben die wenigsten den Mut und die Kraft. Die Seinsvergessenheit geht soweit, dass man sich in den Erzählungen des kleinen Glücks lieber zu Hause fühlt als in den Geschichten der großen Misere. Der neospiessige Biedermeier mit selbtgefü(h/l/r)lter Koksnase der Technokratenrepublik ist allgegenwärtig. Das und nur das ist der Sinn und die Aufgabe der Banalität und den Klischees entgegenzutreten, vielleicht kann man ja noch Hilfe von der Berliner Schnauze erwarten. Dies ist kein Gutmenschentum, sondern vitales Interesse [Achtung: pastorales Pathos!] eines jeden, der in einer Welt leben möchte, welche sich nicht selbst verwaltet, sondern Platz eröffnet, um zum Glück erst einmal den Weg zu suchen.
Bei einem Gespräch in der Arge (nicht Arche!) wurde dies zum wiederholtem Male deutlich. Denn es handelt sich ja schliesslich um eine „Einigung“ um die es geht, wenn man sich selbst unter Aufsicht der Bearbeiterin zu weiteren Bemühungen auf dem ersten Arbeitsmarkt verpflichtet. In die Pflicht genommen gibt man sich dann auch hin und signiert jenen nichtswürdigen Text, der zum wichtigsten Instrument geworden ist. Unser Credo in dürftigen Zeiten. Ich glaube an den Erfolg der fünfzehn Bewerbungen pro Gewährungszeitraum! Unnötig linguistische Einwände zu zitieren, in den Angestelltenköpfen der Gegenüber gibt es schlicht und einfach keinen Platz für solche Gedanken. Und so lässt man sich wie in Jugendjahren dazu hinab, sein Zimmer aufzuräumen, wenn die Mutti sagt: „laß UNS doch bitte Ordnung machen.“ Genau nach diesem Schema sagt die Mehrheitsgesellschaft integrieren. Wir wollen nichts wissen von euch, wir wollen keine echten Worte sprechen, wir wollen handeln in unserer hektischen Bewegtheit, die ihren Grund im Fortbestehen des Status Quo hat. Nichts soll sich ändern, deshalb interessieren wir uns nicht einmal mehr.
Wir stehen nicht zwischen den Dingen, sondern auf unserem bis an die Zähne bewaffnetem Standpunkt. Dass dieser der Beste ist, dazu dient uns in den gebildeten Köpfen noch Hegel. In den Ungebildeten ist es schlicht und ergreifend die Macht des Faktischen. Wir sind nun einmal hier und im Besseren zu Hause. Genau deshalb ist der Deutsche im Ausland auch blind, denn er versucht nur die Unterentwicklung, die vorher schon ausgemachte Sache ist, zu finden. Auch der kleinste Hartz 4ler wird dann noch anfangen von den Errungenschaften der deutschen Autoindustrie zu schwärmen, von denen er zu Hause bei N24 träumt.
Jener Standpunkt und die Angst vor dem Ungewissen einer offenen Zukunft ist auch der Grund, weshalb sich der Wahlbürger lieber zu einer sophistischen Märchenerzählerpartei hinreissen lässt, die ihm Bilder vom marktradikalem Schlaraffenland vorhält, ungefähr so, wie es auf den Marktplätzen der Frührenaissance jene Buchvorleser mit den Holzschnittabbildungen machten, die jedes Kapitel eröffneten. Der Märchenerzähler ist nicht jene freundliche Oma, die ihren Fensterladen öffnet und sich herabneigt, auch nicht der Sandmann, sondern der parlamentarisch verlängerte Arm derer, die uns dahin gebracht haben, wo wir jetzt sind und das Ganze auch noch als etwas Gutes bezeichnen, obwohl sie auf die Gefahren des „Außen“ verweisen, wenns kritisch wird. Dann streuen sie sofort Sand in die Augen oder Salz in die Wunden und dann geht’s eben auch ohne Abendgruss ins Bett, aber sofort: „Keine Faxen für Sachsen.“
Dass die Migrant_innen nicht von Außen zu uns, sondern aus uns selbst geboren sind, klingt metaphysisch und ist doch die einzige Wahrheit zu der wir fähig sein sollten. Wir (Europa) haben die Welt schliesslich historisch zwangsglobalisiert und wehren uns jetzt, die Suppe auszulöffeln. Wir können uns nicht einmal mehr dazu hinreissen lassen, still zu warten, bis uns die Geschichte überholt, sondern sind schon wieder dabei unsere „Meinungen“, auf die der Vulgärindividualismus sehr stolz ist, am Hindukusch und überall sonst in der Welt zu verteidigen. Dass dies Niemandem auffällt, liegt an der geschickten Tarnung als bewaffnetem Ratschlag zur Selbsthilfe. Als solche verpackten ihn noch die Conquistadorenseelenretter, über deren Verbrechen wir uns heute aufgeklärt zutiefst entrüsten können. Denn bei uns geht’s um Freiheit und Demokratie und für diese beiden geschundenen und durch unsere Gassen geschleiften, abgehalfterten Wesenheiten (denn nur als solches kennt man sie hier, über deren Doppeldeutigkeiten und Janusköpfe sprechen höchstens Philosophen oder linke Spinner), empfinden wir immer noch irgendwie Sympathie, obwohl sie allerorten dahinschmilzt unter dem Druck der mangelnden Handlungsoptionen und der „lauernden Gutmenschen“, die nur darauf warten jene alten Vetteln aufs neue auf ihre Fahnen zu spiessen und rumzutragen. Wir wissen nicht, wer mehr Angst macht: Leute die von Gutmenschen sprechen, oder echte hypothetische Gutmenschen.
Die Gleichheit und Brüderlichkeit, die lassen wir besser in der Ecke liegen. Ich glaube die haben Aids oder zumindest Schweinegrippe, um die kümmern sich bei uns jetzt die kirchlichen Einrichtungen.

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Dresdner Stadtrat bekennt sich zur Tautologie

Heute beschloß nach langer Diskussion, in der sogar ein Gastredner einer Initiative und selber Heimbewohner zu Gast war, der die Lage in den Asylbewerberheimen schilderte. Er trug den wunderlichen Namen Mohammed und kam von weither, soviel bekamen auch unsere Stadtratsabgeordneten wohl noch mit. Und seltsam, er zitierte Kant, nein der passt nicht mehr zu Uns. Nein, sowas nicht! Der Sachse im Allgemeinen und der Dresdner im Besonderen braucht einfachere Weisheiten. So wie diese: Schwarz bleibt Schwarz, Grün bleibt Grün und Fahrradfahrer fahren auf Rädern, Gastredner sind auch gern zu Gast. Klar ist auch, dass sich Spätaussiedler und Kontingentflüchtlinge schon immer um dezentrale Unterbringung bemühen durften. Ein Zeichen wäre gewesen, wenn sich dies auch auf Asylbewerber und Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung bezogen hätte, die hier ihre Zeit in Heimen „verwarten“. Dem wird weiterhin nicht so sein.

Aber man hat ja was beschlossen! So einfach wollte man sich sicher keinen bösen Willen unterstellen lassen, nein…auf eine Richtlinie für Ermessensspielräume konnte man sich dennoch einigen. So beschliesst man lieber, dass zu beschliessen, was im Gesetz steht. Schwarz bleibt Schwarz und Grün bleibt Grün, Gelb ürigens auch Gelb und Rot sowieso. Braun allerdings hätte dann schon noch gerne was haben wollen, nämlich, dass „Spätaussiedler“ unterstrichen wird…denn diese „Deutschen“ begrüßt man gern, wie unter Protest vorgetragen wurde. Selbst mit Reichen wurde da nicht gespart- wenn dies auch zu weit ging und die Oberbürgermeisterin nun doch zu einer überlegteren Wortwahl auffordern musste. Und so bleibt denn alles beim Alten oder eben auch wie es ist. Zumindest solang, bis sich endlich was an den Mehrheitsverhältnissen in dieser Stadt tun wird. Vielleicht hat dann auch ein Asylbewerber endlich die Möglichkeit sein Doppelzimmer und seine 6qm gegen eine angemessene Wohnung zu tauschen. Solange jedoch sollen sie sich mal schön freuen, den Verhältnissen entkommen zu sein, weiterhin nicht zu arbeiten und auch sonst…in ihren heimeligen Betten mit dem obligatorischem Stuhl sind sie doch gut aufgehoben. Soviel immerhin haben wir übrig, nicht für Banken, nein, als Rettungsschirm für Menschen die bei uns Schutz suchen. Gut, es schimmelt manchmal, vielleicht wirft auch einer der braunen Freunde bei denen man zu Gast ist etwas ins Fenster oder brüllt ein wenig vor dem Gartentor (die Vorkommnisse mit den braunen Freunden beziehen sich jetzt auf Erzählungen einiger Heimbewohner in Langburkersdorf in tiefster sächsischer Provinz, für die ein Beschluß aus Dresden sicherlich einige Ausstrahlungswirkung haben dürfte- welches ich im September letzten Jahres besucht habe und das zum Landkreis Sächsische Schweiz- Osterzgebirge gehört. Für Dresden will ich jetzt sowas nicht direkt behaupten- die Unterbringung in Heimen ist bestimmt toll für alle, die sowas [Würfe/laute Unmutsbekundungen/Brunftschreie/lustige Sinnsprüche, die man Fremden hierzulande gern mit auf den Weg gibt] in Zukunft vorhaben, da weiss man wenigstens wo man suchen muss…) aber ansonsten- alles beim alten, alles genau geregelt, so wie es sein muss, da ist man sich bei der CDU sicher, auch wenn man zu Besichtigungsterminen nicht erscheint. Soviel Sicherheit und auch ein Bekenntnis für Dynamo ist immer drin. Da sollte man auch nicht den falschen Eindruck haben, hinter manchem Schwarzen steckt Braun- gegen sowas ist man gefeit- Schwarz bleibt eben Schwarz und Gesetze dürfen auch gern mal durch Beschlüsse bestätigt werden. Und so dürfen sich denn nun auch die eine Wohnung suchen (dezentrale Unterbringung im Fachjargon- nicht der Eigenlichkeit, sondern der uneigentlichen Richtigkeit, denn so ist das ja nun auch nicht gemeint und sowas kommt eben von sowas) die sich eine Wohnung suchen dürfen. Bravo! Weiter so. Und Dresdner… wählt weiter Schwarz, damit ihr nicht bald Rot seht. Denn auf einem Auge ist man blind und auf zwei Beinen steht sichs besser, besonders wenns Schwarzgelb ist, so wie die Fahne unserer schönen Landeshauptstadt. Denn gerade hier in Sachsen, wo die schönen Mädels auf den Bäumen wachsen, da bleibt alles so, wie es von jeher ist. Denn so soll es sein. Das Bestehende ist uns schon immer das Liebste und endlich darf das ja dann auch touristisch verstärkt promoted werden. Wir warten schon auf die Flut von „Bodentouristen“, wie es ein anderer Redner  geistreich und um Erfindungsreichtum nicht verlegen, formulierte. Diese Bodentouristen sollen uns demnächst also verstärkt besuchen kommen, ähm, nein nicht die mit den Packen auf den Rücken oder ihren Familien im Schlepptau, wir hätten gern Bayern, Baden Württemberger, ach, alle von hier halt. Dafür machen wir doch nun auch Werbung. Damit die sich dann angucken können, wie bei uns alles so ist wies war, oder besser, aber auf keinen Fall anders. Die werden Augen machen, wenn sie unsere schöne sächsiche Schweiz bestaunen, unsere Nationalen Bündnisse und auch den guten Mann mit der roten Fahne auf der Prager Straße. Was werden die sich freuen, und alles so schön schwarzgelb, bunte Fähnchen wollen wir raushängen, denn von Herzen muss es kommen. Bodentouris wir warten, wir glauben, wir lieben, wir hoffen! Nu, da simmer uns doch eensch! Und mit Fluten kennen wir uns aus. Die Sandsäcke holen wir nur für die Ausländer raus- keine Angst liebe Bodentouristen. Schwarz bleibt Schwarz und Gelb bleibt Gelb.

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