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Warum zögern sie Frau Dr. Merkel?

Der Grund warum Merkel sich nicht für Sanktionen stark macht und mit ihrer Verzögerungs- und Hinhaltetaktik meint Erfolg zu haben, ist, dass sie  genau ein  Teil jener selbstreferentiellen Politikerkaste ist, die sie mit Janukowytsch dabei kritisieren würde. Das Problem dieser Kaste ist, dass sie sich keine wirklich politischen Fragen mehr stellt- sondern Spiegelfechterei betreibt, die  sie als alternativlos darstellt, dabei immer in der Gegenwart und den Forderungen  des Tages verharrt – ein Sich-Durchwursteln als große Kategorie.

In der Ukraine sehen wir, wie Menschen eine echte Demokratie und Mitbestimmung fordern, und nicht jenes Marionettentheater,  was von Russland kontrolliert wird, und dabei nichts anderes  ist als das, was Putin uns vorführt. Das war auch der Ausgangspunkt der Proteste im November und Dezember, nicht die reine Frage pro- oder kontra-EU.  Die  Frage nach echter  Demokratie  ist eine Frage der nächsten Generationen und vor allem in einem globalen Kontext zu stellen. Ich zweifle, ob Merkel mit ihrem Begriff einer „Marktkonformen Demokratie“ dafür die Richtige ist. Das Primat des Politischen zurückzugewinnen, traue ich ihr nicht zu. Und genauso ist das handeln der Bundesregierung in dieser Frage. Wir können eben nicht zuschauen, wie um die europäische Insel herum  die Demokratie immer weiter ausgehölt wird und sich allein auf Wahlen beschränkt.

Echte Demokratie fordert ein breites zivilgesellschaftliches Engagement in allen Bereichen- nicht das Abgeben der Stimme ins Ungewisse einer kurzen Zukunft, Legislaturperiode genannt, die jedes  weitere Einmischen politisch bewusster und engagierter Staatsbürger rigoros und vor allem polizeistaatlich ausschließt. Deshalb ist es problematisch, wenn wir in Deutschland und  in Frankfurt und Hamburg dabei zusehen, wie genehmigte Demonstrationen polizeitaktisch eskaliert werden. Sanktionen zu fordern bedeutet auch nicht, sich den neuen rechten Strömungen, die es in der Ukraine gibt an den Hals zu werfen und gemein mit ihren antidemokratischen Plänen zu machen.  Eine funktionierende Zivilgesellschaft und echte Mitbestimmung, die es braucht, um dieser Gefahr entschlossen und solidarisch entgegenzutreten entsteht jedenfalls nicht, wenn man als Demokrat mit den Händen in den Taschen  dabei zusieht, wie rückwärtsgewandte Strömungen in einem Kampf jeder gegen jeden. die Oberhand gewinnen um dann immer dem jeweilig neuen Gewinner zur Wahl zu gratulieren.

Sanktionen gegen ukrainische Politiker würden bedeuten, dass man sich auf Basis eine Grundlage darüber entscheiden muss, was echte und was falsche Demokratie ist. Da Merkel Entscheidungen umgeht, wie der Teufel das Weihwasser wird ihre nicht-Durchsetzung nur ein Beweis für ihre Haltung sein, an der Seite Obamas weiter Demokratie nur vorzutäuschen-  wie sie damit durch die nächsten 20 Jahre kommen will, bleibt dabei  ihr Geheimnis und auch das all derer die behaupten, man könne sich ohne Entscheidungen durchs Leben mogeln.

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Literatur, Vinyl und Retrowelle

Der Markt für Literatur und Musik trennt sich anhand der Rezeptionsweisen, die mit beiden Medien eng verbunden sind, auf. So gibt es den flüchtigen Leser, wie auch den gelegentlichen Hörer von Musik, der sich nicht wirklich für Historisierung, Verstehen und ein mehr oder weniger informiertes Genießen, vielleicht auch eine intensive das heißt wiederholte Interpretation interessiert, sondern von Außen durch Moden oder Hinweise anderer, besser orientierter Marktteilnehmer auf ein Produkt gebracht wird. Seine Entscheidung für oder gegen ein Produkt fällt häufig spontan, im Vorbeigehen, ohne ein gezieltes Suchen oder den reflexiven Prozess bewusster Auswahl. Ich nenne ihn den Konsumenten. Bei der Musik fällt es noch gravierender als beim Buch auf, diese kann einmal als ein bewusstes Hören und eine gerichtete Aufmerksamkeit auf den Informationsstrom zelebriert werden, oder aber auch gleichsam als Hintergrundrauschen für Unterhaltung und Zerstreuung bei eigentlich anderen Tätigkeiten dienen. Bezüglich des Lesens ist es etwas schwieriger sich Unterhalten zu lassen, es setzt zumindest eine gewisse Konzentration voraus, jedoch besteht ein großer Unterschied zwischen einer unterhaltenden Form von Lektüre und einem kritischen Studium wissenschaftlicher Texte mit dem Bleistift und ähnlichem. Auch da gibt es jene zwei Modi der Rezeption, die jeweils andere Formen von Kommunikation darstellen.

Wichtig ist, dass der uninformierte Käufer auf Signalreize wie Präsenz in den Regalen oder Preisverleihungen, berühmte Namen als Markenzeichen und Empfehlungen und eben das untrüglich scheinende Mittel der Bestseller- und Hitlisten setzen muss, um angesichts der unüberschaubaren Menge an Neuerscheinungen seinen Impuls für für den Kauf eines Mediums mit dem er nicht vertraut ist zu folgen.

Daneben gibt es die Liebhaber von Musik oder eben Literatur, sie sind zu einem großen Teil damit beschäftigt, sich über Neuerscheinungen zu informieren, verfassen vielleicht Kritiken und beteiligen sich aktiv am Geschehen der Bewertung einzelner Produkte. Sie sind neben den Einflüssen der Kritik, denen sie ebenso ausgesetzt sind zusätzlich geleitet von ihrem eigenem Geschmacksurteil, welches sie aus einer langen Reihe bereits verarbeiteter und mehr oder weniger lustvoller Erfahrungen mit dem jeweiligen Medium verbinden. Wichtig ist dabei vor allem auch, dass es ein inneres Gedächtnis gibt, sie von einem habituellen Umgang mit dem Medium selbst zehren können.

Die Vorlieben der Liebhaber können sehr unterschiedlich sein, das genau macht jenen Markt für die Produzenten von Kulturgütern so unvorhersehbar. Ein gut informierter Leser zum Beispiel kann sich heute für symbolistische Lyrik des neunzehnten Jahrhunderts und morgen für lateinamerikanische Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts interessieren und fragt eben solche Werke auch durch gezieltes Aufsuchen nach. Wichtig für den Handel ist, will er eine solche Käuferschicht erreichen ein sehr ausdifferenziertes Angebot mit geringen Auflagenzahlen (da ja die breite Masse an Käufern nicht vorhanden ist). Also genau jene Verwirrung und Informationsüberflutung mit unterschiedlichen, oft sich widersprechenden Angeboten, welche dem gelegentlichen Konsumenten zu wieder ist. Ergänzt wird dies dann noch durch das Moment der Einklammerung des Neuen und der Historisierung, das heißt einem gut sortierten Backstock eines Plattenladens oder eben einer Backlist und einem Antiquariat.

Sowohl bei den Büchern, als auch bei den Musikgeschäften ist der Anspruch, möglichst alles zur selben Zeit verfügbar zu haben, realistisch gesehen nur im Internet zu befriedigen, es bietet sich hierfür geradezu an. Dem Handel bietet sich durch die starke Ausdifferenzierung aber auch an, auf spezielle Programme oder eben Nachfragen Nischen zu bedienen.

Aus diesen Nischen entwickelte sich die letzte Subkultur der elektronischen Tanzmusik in Europa und in Teilen Nordamerikas, Plattenspieler und Vinyl, die eigentlich eine der CD unterlegene Technik waren wurden zweckentfremdet und so wurde eben auch eine neue Semantik geboren oder erzeugt, in welcher ein Mensch der mit zwei Plattenspielern agierte, ein Vertreter einer technologieaffinen und kulturellen Funktionselite wurde. Damit war Vinyl das Zeichen von Authentizität in Clubs geworden, denn die neuesten Veröffentlichungen wurden in kleinen Stückzahlen von kleinen Mikrounternehmen und Musikverlagen gepresst, und nur in hochspezialisierten Plattenläden, die als wichtige Institution und Bindeglied zwischen dem Publikum auf den Tanzflächen und eben jener Funktionselite bestehend aus DJ´s, Veranstaltern, Clubbetreibern, Musikjournalisten im weitesten Sinne usw. funktionierten, die sich häufig auch in den sogenannten VIP-Areas trafen.

Das Vinyl jedoch hat entscheidende Nachteile für die Mobilität von Dj´s und der weltweiten Distribution, da es enorme Transportkosten verursacht. Deshalb hat es zwar noch immer einen starken symbolischen Mehrwert für die DJ´s, der in der Legitimierung und der Repräsentation von Authentizität gegenüber dem Laptop besteht. Technisch und praktisch hat es kaum Vorzüge, auch wenn die Diskussion um Vinyl natürlich im höchsten Maße symbolisch aufgeladen erfolgt und auch anstatt sachhaltiger Gegenargumente immer wieder der Underground und damit eben verbunden das Konzept einer Gegenkultur angeführt wird, was aber eben gerade als Symptom für die Aufgeladenheit des Symbols Vinyl spricht.

Interessant ist jedoch, dass seit dem Ende der nuller Jahre nicht mehr die elektronische Cluborientierte Tanzmusik der wichtige Motor für Vinyl ist, sondern eben gerade die Subkultur des Indie-Pop. Hier wird die ebenfalls Authentizität inszeniert und zwar diesmal sowohl auf musikalischer Ebene wie medialer Ebene, die erfolgreichsten Neuerscheinungen waren, wie vielfach von der Kritik bemerkt paradoxerweise stilistisch Retro- Retorten und Revivals angefangen von The Darkness bis zu Amy Winehouse und Konsorten.

Die These scheint überzeugend, dass hier Mitdreißiger mit dem nötigen Kleingeld am Werk sind, die sich die Kinder und Jugendzeit mittels des Auflegens einer „echten“ Vinyl Scheibe, die den ewigen Wert verkörpert, auf ihren riemegetriebenen High-End-Plattenspieler sentimental zurückholen. Weder technisch noch subkulturell spricht sonst etwas für den Einsatz Eines Kunststoffes als Datenträger. Aber es spricht dafür, dass sich Menschen, die mit Musik etwas anfangen können, bereit sind, hierfür auch mehr Geld als nötig auszugeben. Ähnliches wird wahrscheinlich auch dem Buch und dem gedruckten Wort passieren. Es wird zu einem Minderheitenprodukt, die großen Massenerfolge werden auf elektronischen Lesegeräten zirkulieren, welche dafür auch viel geeigneter erscheinen. Was dabei verloren geht, ist eine gewisse Konstanz und Beständigkeit, welche das Buch darstellt, wie man in Bibliotheken bewundern kann. Die aktuelle Auseinandersetzung um den Suhrkamp Verlag und seine Führung, die Frage worauf ein moderner Verlag setzen soll, ist eine Debatte die da perfekt ins Bild passt. Soll man weiterhin auf Neuerscheinungen setzen und das kostenintensive Fördern des literarischen Nachwuchses finanzieren oder eben von einer beeindruckenden Liste an namhaften Autoren zehren?

Literatur und wissenschaftliche Texte als ein Produkt für eine aufgeklärte Minderheit die ein Nischendasein in einem Meer der Beliebigkeit und großer Publikumserfolge pflegt, die ebenso schnell und spurlos wieder verwehen, wie sie gekommen sind, ist dabei bereits eine Erscheinung, wie sie in anderen Teilen der Welt bereits Realität sind. Damit verbunden wäre auch ein Abschied vom Ideal einer aufgeklärten Gesellschaft, die sich selbst rational über ihre Zielsetzungen verständigen kann und bei der gegenseitiges Verstehen und Wahrheit Mittel und zugleich Zweck sind. Dieses Ideal selbst ist natürlich genauso Retro wie es das auflegen einer Kunststoffplatte die Musik abspielt auf ein technisches Gerät aus dem vorigen Jahrhundert. Beides aber spricht für das konstante Fortbestehen solcher Nischen und wahrscheinlich noch die Ausdifferenzierung solcher und nichts davon wird so schnell verschwinden, wie es manche Apokalyptiker uns glauben machen wollen.

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Logbucheintrag

Im beschwingten Tangosound von Carlos Libendinsky in den Morgen hinein. Ein kalter und sonniger Morgen, heute wird die Demonstration der wall street Okkupanten stattfinden. Internationale Solidarität, die Zeitungen haben bereits ihr Artikel vorgeschrieben, in der Welt und dem Freitag lassen sich bereits erste Texte dazu lesen, dann noch schnell ein youtube video angeschaut, was deren Lautsprecherfunktion zeigt. Da Megaphone verboten sind, verstärken sich die Leute mit einer Masse aus Leuten, welche alles wiederholt, was die Sprecher vorsagen. Auch ganz interressant sind die verschiedenene Handzeichen, die Zustimmung, Wiederholung oder gar Ablehnung anzeigen sollen. Sehr interessant diese Ausgeburten aus den Köpfen einiger Sozialpädagogen. Dies kann sicher innerhalb einer grösseren Gruppe die Entscheidungsfindung verbessern, allerdings habe ich doch meine vielleicht kleinbürgerlichen Zweifel, ob genau dies wirklich den Entscheidungsstrukturen einer globalisierten Welt etwas entgegensetzen kann. Ich nehme an, dass es dort wie bei anderen Besetzungen (Hochschulen der letzten Jahre) einen harten Kern von Leuten gibt, welche auch auf der Strasse dort übernachten, wohingegen ein großer Teil Abends oder jedenfalls später wieder nach Hause geht. Irgendwie kennt man die Geschichte. Und die kalten Tage kommen erst noch.
Zumindest hat sich der New Yorker Bürgermeister erst mal gegen eine Räumung entschieden, was ja schon mal wirklich viel ist. Ich glaube trotzdem nicht daran, dass die Berliner heute lange auf dem Pariser Platz verweilen wollen, dass man sich ernsthaft zu etwas größerem zusammenschliessen will. Schon die Sprache der Zeitungen deutet es an, es wird von „Demonstrationen“ geredet. Wahrscheinlich ist die Strategie dahinter, die Menschen die zu dieser Veranstaltung komen auf eine langweilige Latschdemo festzulegen, von denen es in Berlin ja nun gerade eine Menge gab (Freiheit statt Angst, Anti-Pabst Demo). Alle waren einfach nur ein Zug von Menschen, mit Plakaten, welche brav die Straßen abmarschierten. Unter den Linden entlang, ein kleiner Herbstspaziergang, das hat ja noch nie geschadet, ich glaube niemand fühlt sich davon gestört und alle die dabei waren, können nachher vom guten Gewissen zehren, doch etwas getan zu haben. Nicht dass ich denke, man solle lieber Autos anzünden oder Brandbeschleuniger an Bahngleise legen, allerdings ist ein Plakat zu basteln irgendwie eine hoffnungslos romantische oder verzweifelte Tat. Was generell fehlt sind Kanäle auf denen sich diese Bürger mit ihrem Unbehagen auch einbringen können, was dann über die bloß symbolische Unmutsbekundung hinausgeht. Zivilgesellschaft die wirklich miteinbezogen wird in die Enstscheidungsfindung. Aber wahrscheinlich werden die ganzen Politiker sie erst mal alle in die Konzertierungszange nehmen, alle werden vorgespielt bekommen, etwas sagen zu dürfen und dann hinterrücks doch wieder über den Tisch gezogen zu werden. Energie in verlorene Sachen zu stecken, diese Erfahrung wird politischen newbies auf jeglicher Demo noch zu Teil werden. Ich bin gespannt und werde es mir doch nicht nehmen lassen, der Ratlosigkeit aller in die Augen zu starren und Teil davon zu sein. Unsere Generation ist vor die große Herausforderung gestellt hier wirklich etwas Grundlegendes zu ändern. Wirtschaft muss ja sicher nicht schlecht sein, in ihrem angemessenem Rahmen. Der freie Wettbewerb muss wieder in seine Grenzen in der Gesellschaft, nicht die Gesellschaft in allen Lebensbereichen diesem untergeordnet. Aber diese Phrasen kann eigentlich schon niemand mehr hören, das lese ich doch lieber weiter etwas Karl Mannheim, der mich gerade in den Ausführungen über Denkstile sehr fesselt.

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Einladung…

http://www.euroethno.hu-berlin.de/einblicke/aktuelles/veranstaltungen_content/workshop_decolonial

[17:46:20] siegfried schuster: ja cool ne
[17:46:30] siegfried schuster: komm doch mit
[17:44:01] siegfried schuster: texte haste auch dazu
[17:44:04] siegfried schuster: die les ich grade, on the edge of revolutionary academic thinking today würd ich sagen, akademistenrevoluzzer

[17:50:44] siegfried schuster: was auch das problem von post/dekolonialismus is irgendwie

[17:51:44] siegfried schuster: hat praktisch keinerlei auswirkungen oder umsetzung…außer in kleinen und kleinsten antira-initiativen wie der unseren oder dem antidiskreminierungsbüro…

[17:52:15] siegfried schuster: aber ne soziale bewegung oder sowas damit seh ick nich am horizont
[17:54:01] siegfried schuster: was mich betrübt…nur die aufsteigenden pseudo verwalter, junge leute die später mal in irgendwelchen büros zur entwicklungszusammenarbeit enden beschäftigen sich damit und zermartern sich die birne…während niebel mit der landserkappe durch afrika pöbelt…

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Sommerloch

Würde irgendeiner dieser Superschurken, die im Kino jedesmal die Welt zerstören wollen, tatsächlich einmal auf den roten Knopf drücken: wer rechnete damit, dass auf dem Display erst einmal eine Sanduhr oder ein grün schimmernder Balken erscheinen würde, der sich langsam, sehr langsam und immer viel zu langsam dem Ende nähert, aber die hundert Prozent doch nie vollmacht – bevor er dann mies irgendwo verreckt?

Und damit hätte Batman, Superman oder Captain America wieder mal Zeit uns noch ein bisschen weiterwursteln zu lassen. Er käme garantiert rechtzeitig, bevor das System des Superschurken neu gestartet ist!

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Kleiner Lagebericht aus dem Krimiwunderland- von verschwundenen Politikern, Knastansprachen und wieder zurück zur Bibliothek, in der ich sitze.

Die Tagespresse hier ist voll vom Falle Diego Fernández de Cevallo. Jeden Tag neue Artikel. Proceso, das wohl am stärksten vertretene Politmagazin auf dem mexikanischen Print-Sektor hat gleich mehrere Seiten jener Persönlichkeit gewidmet, die genau am Tage meiner Ankunft hier als verschwunden galt. Fast pittoresk, was in der mexikanischen Politik so alles vor sich geht, ging und gehen darf.
Jener illustre Herr Cevallo ist aus deutscher Sicht ein Musterbeispiel für den mexikanischen Korruptionsfilz. Ich warte noch auf den(!) Gangsterfilm mit ihm im Mittelpunkt. Nicht nur dass er seine Hände als Sprecher für eine Klinik im Spiel hatte, in der Narcobosse Gesichtsoperationen bekamen, nein hauptsächlich verdiente er sein Geld als Anwalt und machte es sich zur Aufgabe, den Staat, im Auftrag von ehemals enteigneten reichen Großgrundbesitzerfamilien um größere Millionenbeträge zu erleichtern. An diesen Beträgen verdiente er als Anwalt soviel mit, dass er sich gleich mehrere Ranches im ganzen Staatsgebiet von Mexiko kaufen konnte. Einen Interessenkonflikt zwischen seiner Tätigkeit als Anwalt und gleichzeitiger Staatsdiener sah er dabei nicht. Diese Einstellung teilt er übrigens mit den Vertretern des alten PRI-Apparates.
Solch eine Ranch darf man sich ungefähr so vorstellen, dass dazu neben ausgedehntem Grundbesitz auch eines oder mehrere Dörfer gehören, in welchem er die Straßen reparierte und für welches er als „Patron“ galt. Die Menschen dort bewunderten ihn, beten jetzt auch für ihn Rosenkränze, denn damals baten sie ihn ja auch um Arbeit und alles was sonst noch dazugehörte. Proceso beschreibt diesen Habitus des Politikers zu Recht als Neofeudal. Auf einer von diesen Latifundien wurde er denn nun auch entführt. Das Entführerfoto wurde über Twitter und Facebook verbreitet, mehrere mexikanische Behörden haben mittlerweile auch die Echtheit zertifiziert.
Was man allerdings nicht zugeben möchte ist, dass es sich um ein organisiertes Kartell oder Profis handelt. Das Hauptproblem für die mexikanischen Behörden ist, das jener Diego de Cevallo einer der wichtigsten Vertrauten des amtierenden Präsidenten ist. Man munkelt sogar, das Kabinett gehorchte bis dahin mehr ihm, als Calderón selbst. Dies ist zumindest ein Zeichen, ein Zeichen für Calderón und den „Krieg gegen die Drogen“, der jetzt schon mehr als zwei Jahre andauert. Das Zeichen jedenfalls sagt: „Es kann jedem passieren, wir kriegen euch alle!“
Deshalb wird es auch halboffiziell als Versuch eines erzwungenen Friedens der Narcomafia interpretiert. Hoch im Kurs stehen jedenfalls das Juarez-Kartell, dessen Anführer „El Chapo“ Gúzman seit seiner spektakulären Flucht aus einem Gefängnis in Jalisco nationale Berühmtheit erlangte und auch erst kürzlich seine Frau befreite. Aber auch die „Zetas“, eine übergelaufene Spezialeinheit der Polizei, die durch Enthauptungen ihrer Gegner vor laufender Kamera und Gewalt gegen Migranten auf sich aufmerksam machte, werden gehandelt.
Nichts genaues weiß man nicht, nur dass die Familie von Diego jetzt um Ruhe bittet. Hat sich natürlich keiner dran gehalten, die PGR (Generalstaatsanwaltschaft Mexikos, Ironie der Geschichte: den Generalstaatsanwalt hat Diego noch selbst ernannt…) fuhr erst mal vor den Pressefotografen alles auf, was sie so zu bieten hatten. Viele Hunde, schwerbewaffnete Polizisten und sogar Aufklärungsdrohnen wie im Irak erkundeten die weitläufigen Gebiete der Ranch von Cevallo.
Unterdessen wird der PRD Kandidat von Quintana Roo wegen Drogenhandels ins Gefängnis geworfen und hält dort lustige Ansprachen, die mich vom Pathos her ein bisschen an die legendäre Rede von Allende im Präsidentenpalast erinnerten, nur mit einer viel hässlicheren bösen Narcostimme, die man nun wirklich keineswegs ernst nehmen kann. Auch möchte ich mich hier ausdrücklich davon distanzieren, Allende und diesen Typen gleichzusetzen.
In Jalisco diskutiert man derweil, als gäbe es sonst nichts zu tun über die „Pille danach“ für Frauen die vergewaltigt worden sind (Aus meiner Sicht eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber ich bin ja auch kein Katholik!). Derweil wurde ein Gefängnis gleich hier um die Ecke vom Militär gestürmt und dabei wurden nicht nur Gefängnisse in den Gefängnissen aufgedeckt, sondern Waffen, Drogen und weitere offen zu Tage liegenden dunkle Geheimnisse des mexikanischen Strafvollzuges sichtbar. Der PRD Mann dürfte jedenfalls keine großen Probleme im Knast haben, gehört er doch zu den einflussreichen Herren, die in solchen Anstalten einsitzen werden.
Die Wahlallianzen in den einzelnen Bundesländern zwischen PAN und PRD dürften durch all diese Enthüllungen und Anschuldigungen noch weiter in ihrer substanzlosen Wackligkeit entlarvt werden. Unterdessen gewinnt bei alldem Chaos die PRI wieder an Fahrt und wird sich wohl Staat um Staat zurückholen. Dann ist alles wieder beim alten, der Drogenkrieg wird wohl beigelegt werden und der nächste Präsident wird wieder ein Vertreter der alten PRI-Doppelzüngigkeit sein. Das wird für alle Politikwissenschaftler ein historisch einzigartiges Beispiel für eine Transition des Staates von der Scheindemokratie in eine Scheindemokratie mit fast-Bürgerkrieg zurück zum alten Autoritarismus des PRI Systems.
Für eine Äußerung zum erst kürzlich geschehenem Doppelmord an den Menschenrechtsaktivisten aus Mexiko und Finnland, die in Oaxaca von einer bewaffneten Organisation mit PRI Verbindungen verübt worden (MULT), hat Calderón dann doch endlich ein paar Worte gefunden, es hat auch nur 21 Tage gedauert! Er versicherte der Botschafterin Finnlands jedenfalls gerechte Strafen und Ermittlungen. Wie er diese Versprechen umsetzen will ist ihm wahrscheinlich selbst noch ein Rätsel.
Der US- Kongress und darunter besonders die Republikaner, straften ihn mit Missachtung und applaudierten auch nicht, als er bei seinem Besuch neulich die Forderung vortrug, die großen Brüder sollten doch mal über ihre Waffenexporte nachdenken und vielleicht auch doch noch ein zweites Mal über die Verschärfung des Migrationsgesetzes von Arizona. Obama kündigt derweil ganz gewitzt an, er könne den armen Calderón durchaus verstehen und sei an seiner Seite, schickt aber im selben Atemzug 1200 Nationalgardisten an die Grenze.
Unterdessen gefällt mir 2666 immer mehr und irgendwie werde ich den alten Dichterfürst Octavio Paz und seinen mit einem Seufzen verbundenen Ausspruch nicht los: „El problema de México no es el PRI, el problema de México es, si el méxicano se deja gobernar sin el PRI.“
Der CIA hat es schon lange gewusst und war deshalb auch schon vor reichlich sechs Wochen durch seinen Chef, der zu Einzelgesprächen einlud vor Ort. Der Weg für die Transition zum PRI- System der Friedhofsruhe ist also bereitet…wenn, ja wenn da nicht auch noch ein anderes, schmutziges und von der Sonne gegerbtes, lederhäutiges Mexiko der Habenichtse irgendwo am Boden der Geschichte schlafen würde. Ob dies aber aus seinem Jahrhundertschlaf erwacht, erwachen kann und worauf sich seine Wut dann richtet, wird sich zeigen, wenn die erste große Revolution des vorigen Jahrhunderts ihr Hundertstes feiert.

Guadalajara, Jalisco, Mexiko

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Bienvenido a Mexico…

Zwei Stunden bei der Migration angestanden, Anschlußflug verpasst und jetzt im Hotel.

Im Hotel angekommen, diese kleine Entdeckung gemacht, beim Hinterhofblick…

In einer Stunde geht`s dann endlich nach Guadalajara weiter .

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