Archiv der Kategorie: Local Politics

Lechts und Rinks – Brücken verbinden…

Konservative Kulturkritik und eine neue Mythologie, die eine Hingabe an die Irrationalität abfeiert, die Lust an Verschwörungstheorien, an einem Vitalismus und voluntaristischen Dezisionismus der uns spätestens seit der Ukraine wieder fest im Griff der Krise hat, ist schon so alt, das es eigentlich schmerzt. Rechte, die sich als Sozialisten gebärden und den Unterschied zwischen Rechts und Links nicht mehr haben wollen, hipieeskes Friedensgebaren, die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Selbstaufgabe gepaart mit Kapitalismus- und Geldkritik, eine absichtliche Unterkomplexität der Diagnose – mit Verachtung für alles Analytische und jede Form der Intellektualität, eine generelle Politikmüdigkeit die in einem Antiparlamentarismus mündet – kennt man alles aus den Zeiten der Weimarer Republik – und woher? Haben wir damals genau genug Spengler, Klages… die ganzen Konsorten, die konservativen „Denker“unter den Deutschen Akademikern gelesen, sind wir uns im Klaren woher diese Weltuntergangstimmung wirklich kommt?
Dass die Rechten Links anzuknüpfen suchen und die Linke auf einmal eine innerparteiische Linie des „internationalen“ Antifaschismus wiederentdeckt, die ausgerechnet darin mündet, den Sympathien für Russland und seinem verkommenen politischen System unter Putin Ausdruck zu verleihen, der seinerseits gerade wieder am Erbe des Stalinismus etwas Positives und angeblich Verleumdetes wiederherzubasteln sucht, grenzt dabei an eine Farce. Wäre das nicht die Chance gewesen, endlich einmal klarzumachen, was ein linkes Projekt, transnational, heutzutage sein kann, nach der Hegemonie und dem globalen Siegeszug neoliberaler Ideologien? Aber nein, man gefällt sich darin, im schlimmsten Falle blinde Blankovollmachten und im Besten verhaltene Solidarität mit Russland gegen die bösen Medien zu demonstrieren. Dabei bastelt man sich wie die Ultrarechten auch, die immer von einer linken Meinungshoheit in den Medien faseln, diesmal eine angebliche Meinungshoheit der bedingungslosen Ukraine-Unterstützer zurecht, die ein Russland-Bashing betreiben würden, die ach-so-schlimmen Nazis der Maidan-Bewegung in Kiew verharmlosend. Das diese Meinungshoheit in den etablierte Medien ein Phantom ist, welches durch russisches Propagandafernsehen befeuert wird, was sich wundert, dass „die westlichen Medien“ so etwas eben nicht senden und offensichtlich andere Standards vertreten, fällt den Linken, die es nicht lassen können, immer wenn von Kiew die Rede ist: „Swoboda“ zu sagen, nicht auf. Ja wir haben es verstanden, wir brauchen die angeblich wohlmeinenden Warnrufe aus eurer steinzeitkommunistischen Ecke nicht. Ja Swoboda ist eine rechte Partei, ja auch sie haben Ministerposten erhalten, das ändert aber nichts daran- dass es weder eine Putsch-Regierung ist, noch dass die Linke in diesen Statements immer wieder vergisst darauf hinzuweisen, mit welchen Kräften Putin zusammenarbeitet. Putins Ziel ist es, die europäische Union zu torpedieren, deshalb wird sich die Lage in der Ukraine nicht entschärfen. Er kann wenn die Temperatur zu niedrig ist, ein Interesse an den östlichen Gebieten durch militärisches Gebaren glaubhaft machen, oder eben wie er es letzte Woche getan hat, auf den Wunsch der Donbas Region, einen Anschluss an Russland herzustellen, nicht antworten und so auf seine eigenen Bemühungen zur Entspannung beizutragen verweisen. Putin ist voll handlungsfähig: Säbelrasseln oder weißes Hemd, deutsche Sprache und unschuldiger Blick, ihm liegen beide Rollen und er treibt damit die Europäische Union vor sich her- bei seinem Höllenritt auf dem Krisenkamm. Das einzige was ihm Schaden würde, wäre eine Entspannung der Lage in der Krise, oder ein wirklicher Anschluss an Russland, den er sich, genausowenig wie Europa, leisten kann.
Die Ukrainer des Maidan sind aufgestanden, gegen ihr korruptes Regime, dagegen, ein Spielball Russlands zu sein, für echte Demokratie und Souveränität – nicht dafür, Teil der EU zu werden! Das einzige was die Lage angesichts einer müden EU und eskalierenden Fracking-Amerikanern aktuell hergibt, an deren demokratischem Wesen nicht zu zweifeln sei und die Welt genesen solle – ist weiter Spielball Russlands zu sein. Das Spiel der russischen Taktik ist perfide: immer wieder gegen die europäische Austeritätspolitik am griechischen Horiziont geschmettert zu werden, bis die Sympathien einer verarmten Bevölkerung an Russland zurückprallen, wo sie jedoch kein Gehör finden werden. Ob die Ukraine diesem Belastungstest weiter standhalten kann, dem wohnen wir in Deutschland gerade in Echtzeit bei und die deutschen Linken belehren uns immer wieder über den kulturellen und ethnischen Unterschied der Ost- und Westukrainer… der ist nämlich so tief und echt, siehste doch, kannste dir doch ansehen…genauso wie die „Brückenfunktion“ Mensch!
Der einfache imaginäre Sachse:
Nein, wir sin nich für Interventionen, die Mehrheit der Bevölkerung ist dagegen, das ist doch eine schöne Lehre aus dem zweiten Weltkrieg: wir sind doch alle keine Nazis mehr, wir haben nichts mehr zu suchen da drüben. Hätte ja auch schon der Hitler wissen können von Napoleon. Russland ist zu gross, das kann man nicht machen. Deshalb verteidigen wir ja gerade Putin, der ist doch auch Antifaschist, Russland hat doch den Faschismus besiegt, hast du etwa keine Geschichte in der Schule gehabt, blöder pro-Ukrainischer Schreiberling? Ach, die Weimarer Republik, nein… was war da? Ach so… jene unübersichtliche Zeit, in der sowohl von links als auch rechts am schwachen Parlamentarismus und der Demokratie gerüttelt wurde – die wollten ja alle keinen Frieden diese Extremisten! Die haben ja auch die 19’er Revolution vergessen in der bundesdeutschen Schule heutzutage. Da hat die deutsche Gründlichkeit gefehlt, dass da mal jemand auf den Tisch klopft und schreit Ruhe jetzt! Genau… eigentlich wollen wir doch alle nur Ruhe und ein bisschen Frieden… vertragt euch! Das sollte dieses Weichei von Diplomat Steinmeier mal machen… mal richtig auf den Tisch klopfen! Nein, damals in der Weimarer Republik, da hatten wir noch keine Erfahrung mit Demokratie, da war das ne „junge Republik“…sowas kommt am Anfang immer vor, jeder übt mal! Na ein Glück dass das jetzt vorbei ist und wir alle ordentliche Demokraten- dieses Irrenhaus, diese Quatschebude… heute herrscht Ruhe und Ordnung, das werden auch die Ukrainer bald lernen und auch der Putin. Immerhin ist der ja ´nen ordentlicher Mann- der kann ja deutsch…Mensch dann guck doch mal im Internet…damals als der Deutschland besucht hat…jaha! Der hat in Dresden gewohnt und is am Jägerpark mitm Trabbi ums Eck gekurvt- hat seine Ludmilla abgeholt zum Blini-Essen ins Eiskaffee… der is n´ ganz normaler Mensch! Der is nich verrückt, der spielt sogar Schach…besser als Kasparov. Naja die Russen halt, so sind´se. Man muss das verstehen, die waren schon immer n ‘bissl anders- das lernen die noch.

Jaja, die Unterschiede und die Brücken…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Demokratie, Essay, Kulturkritik, Local Politics, Politik, Ukraine

Neulich im Bundestag…

Heute kam es in der Befragung des Außenministers und bei der Vorstellung eines Menschenrechtsberichtes des Auswärtigen Amtes  zu einer interessanten Situation. Der  Fragesteller Volker Beck von den Grünen wollte wissen, ob es denn Vorstellungen über den angemessenen Umgang mit den Sinti und Roma hier in Deutschland gäbe. Er hätte vor einigen Minuten die Bundeskanzlerin bei einer Festveranstaltung zur Einweihung eines Denkmals für die Sinti und Roma reden gehört und die Rede als sehr gut befunden, wogegen  er im Bericht Stellen vermisse, die die Absichtserklärungen der  Bundeskanzlerin mit Handlungen untermauern und vor allem die gelengentliche Ausweisungs- und Abschottungsrethorik des BMI zurückzunehmen wäre. Herr Westerwelle teilte dazu mit, die Auffassung zu teilen, dass die Bundeskanzlerin eine gute Rede gehalten habe. Das tue er sogar, ohne die Rede gehört zu haben, denn da gelte seine Zustimmung immer.  Er musste nun selbst erkennbar ein wenig lachen und seine Aussage über das Teilen der Auffassung, dass die  Rede eine schöne gewesen sei, wiederholen. Nebenbei auch etwas von Ironie nuscheln, was jedoch  sicher aus allen Protokollen gestrichen wird.

Was wollte er eigentlich damit sagen? Teilt er die Auffassung, Frau Merkel rede sehr schön deshalb, weil er eine Differenz von Reden und Handeln der Kanzlerin anzeigen will? Warum setzt er diese Betonung ausgerechnet an der Stelle, zu inhaltlichen Fragen ist er ja erst später gekommen. Er wollte also sehr deutlich machen, was er teilt (Frau Merkel redet schön) und dem was er nicht teilt. Außerdem wäre noch festzustellen, er teilt nur die „Auffassung“, also den Erkenntnisakt selbst, den Inhalt nicht. Er teilt also das Gefühl  mit anderen, oder auch den durch Begriffe vermittelten Eindruck der entsteht, eine Meinung. Ob Frau Merkel  nun wirklich schön redet  oder nicht, dass überlässt er ganz anspruchslos höheren Mächten. Er kommt eben nur zu Auffassungen, die er dann prima teilen kann. Auffassungen und Meinungen können falsch sein, sind aber leider das, was im Überfluss bei allen vorhanden ist und woran wirklich kein Mangel herrscht, den ein Minister beheben müsste. Um zu einem wahren Urteil über einen Sachverhalt zu gelangen wäre es  wichtig, den Raum der Auffassungen und Meinungen zu verlassen. Das tut er gerade nicht. Er bleibt im Beliebigen der Teilung irgendeiner Auffassung und Meinung. Er verbleibt nicht nur da, er betont es auch noch und genau dadurch entsteht jene Ironie als Doppelsinn, er könne ja deshalb so vage bleiben, weil die Kanzlerin eben nur die „schöne Rede“ anbiete. Darüber ist er selbst erstaunt,und scheint zu bemerken, dass aus der Verdopplung der Welt in belanglose Feststellungen eine Fehlerquelle entsteht, denn es kommt vor allem darauf an, die Kongruenz von Welt und Ideen oder Meinungen die darüber gehegt und geteilt werden, gelegentlich zu überprüfen. Es gehört ja zum politischen Tagesgeschäft, dass man anstatt auf die Probleme zu kommen, lieber die Redezeit mit Belanglosigkeiten und Floskeln füllt. Darin ist sicher auch die angesprochenen Kanzlerin eine Meisterin ihres Faches. Sie zeichnete sich schon immer aus darin, passiv Probleme sich entwickeln zu lassen und erst wenn der Handlungsdruck so hoch geworden scheint, dass es unvermeidlich ist, auf Probleme zu reagieren. Meist ohne Plan und Voraussicht, sondern rein reaktiv und getrieben, alternativlos.

Westerwelle ist hingegen eher jemand, der mit seinen falschen Vorstellungen und Lösungsansätzen auch noch hausieren geht, für kein Fettnäpfchen zu schade, stolpert er sich zum Ende seiner Legislatur, dabei immer bemüht sich von allem abzugrenzen, was er selbst für falsch hält, sich aber zu einem späteren Zeitpunkt zumeist eben doch als richtig erweist. Heute jedenfalls ist er mit seiner Abgrenzungssucht ein kleines Stück zu weit gegangen, im Bemühen darum, entstand jener Fall ins bodenlose des Doppelsinnes, der seine Wahrhaftigkeit und eigenen Standpunkt versteckt. Indem er sich in eine Floskel rettete, konnte man auch glauben, er distanziere sich vom eigenen Handeln, das zu verteidigen er angetreten war. Ironie ist ein schiefes Verhältnis zur Welt, eine Distanz zwischen Handeln und Denken und man mag glauben, sie gehöre zum politischen Alltag.  Allerdings gehört sie gerade dort nicht hin, denn sie kann, ja muss, immer ausgelegt werden. Damit ist sie eine offene Flanke für den politischen Gegner, der nur darauf wartet, sich an diese Stelle einzuschreiben. Ironie hätte deshalb schon im eigenverantwortlichen rhetorischenTagesgeschäft nichts verloren, auch wenn sie beim Zuschauer und Konsumenten hoch im Kurs steht: die Differenz von Denken und Handeln hat uns, in einer von sich selbst entfremdeten Gesellschaft, fest im Griff! Einen Politiker an der Ironie scheitern zu sehen, könnte etwas vergnügliches haben, ist allerdings auch ein Eingeständnis in die Handlungsunfähigkeit eines Politikers und damit eine Bedrohung, denn wer lebt schon gerne in einem System, welches sich blinden Mächten und Irrationalität (sei es auch persönlicher Unfähigkeit) anheimgibt und überlässt.

Dies angesichts eines Themas wie den Menschenrechten, das selbst Westerwelles eigenen Worten nach: „Zuständigkeiten übergreifendes Kernelement der Politik dieser Regierung“, ist.

Nun ist vom Sein zum Sollen ein weiter Weg und mir als als Kommentator fällt hierzu vor allem ein, dass es sich dabei auch wieder nur um einen Schein handelt, den zu erzeugen sich der amtierende Außenminister alle Mühe gibt, dabei aber kläglich scheitert. Ironie des Schicksals: allein dieses Thema eignet sich nicht für Ironie!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Local Politics, Politik

Brief an einen Unbekannten

Bis zu welchem Punkt lässt sich gelangen? Im Labyrinth, ohne Licht, verirrt, so wie die erste Szene eines französischen Filmes…im Schlamm aufwachen, im Lehm, geboren um die Hand in den dunklen Himmel zu strecken: dort in der leeren Hand!…es verschwimmt…es gleitet davon. Die Frage jedoch bleibt: wo ist Licht? Wo ist die Hoffnung zu Hause? Ist es die Widergeburt? Ist es das Sich- Erneuern im Kind? Was sind die Fragen die es zu klären gilt? Alle kennen wir diese Redeweise, man solle ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und Kinder haben. Sind es die Kinder? Oder ist es nicht vielmehr alles gemeinsam. Was wäre denn, wenn die Welt um dieses Haus diesen Baum und auch um diese kleine Familie zu ändern wäre? Kann man sich in die “Idylle der Privatheit” zurückziehen? Wann gilt es zu kämpfen? Das Schwert in die Hand nehmen. Aber was nehmen wir denn heute noch in die Hand? Buchstaben, Worte, Stifte, Computer. Schwerter oder Krieg nimmt doch niemand mehr in die Hand. Inwieweit ist unsere Gesellschaft denn eigentlich militarisiert? Sollte man Bomben basteln? Sicher nicht. Aber unsere Kinder spielen mit schwerem Kriegsgerät. Sie beherrschen Waffensysteme, die bis in die neunziger Jahre hin und darüber hinaus abgebildet sind. Und mehr noch! Unsere Kinder lernen hoffentlich auch, was in der Vergangenheit mit Waffen gemacht wurde. Was wissen wir denn eigentlich selbst über Waffensysteme?

Kann die Liebe eine Waffe sein? Die Liebe ist das Lieblingsthema eines mexikanischen Philosophen und Schriftstellers, der im deutschen kaum gekannt wird. Ich rede von Octavio Paz, dem Octavio Paz, der einen Friedensnobelpreis bekommen hat.

Im neustem Soderbergh Film über Che Guevara ist ein “Che” zu sehen, der schreibt:
„Die größte Tugend des Revolutionärs ist die Liebe“.

Nein. Sorry. Der hat keinen Friedensnobelpreis bekommen.

Die romantische Liebe?  Sartre fand, die höchste Tugend des Intellektuellen sei es, einen Wiederspruch zu beschreiben. Einen dialektischen Wiederspruch: etwas Treibendes, eine Kraft. Die Kraft des Wortes? Bei Sartre nicht, aber in Lateinamerika gibt es bereits seit langem eine Bewegung, die die Kraft des bewaffneten Wortes vertritt. Angefangen bei den spanischen Conquistadoren. Standen sich beim zusammtreffen jener zwei Welten, damals als Columbus in Haiti oder Cortés in Mexiko ihren Wiedersprüchen begegneten, nicht zwei bewaffnete Wörter gegenüber? Von „woher“ machten sich Ihnen denn Wiedersprüche geltend. Waren dies Wiedersprüche aus dem Zentrum oder der Peripherie des Reiches oder Imperiums zu hören? Waren es nicht vielmehr zwei regionale Wiedersprüche, die aus dem Zentrum zur jeweiligen Peripherie hin “funkten”? Welche Kommunikationsmittel wurden damals gebraucht? Kann ich nicht heutzutage mit den Mitteln der Telekommunikation in die Peripherie und das Zetrum jeglicher “Gegend” hin funken? Wo entstehen denn die Geister? Jene Geister die damals aus dem “Traum der Vernuft” bei Goya entsprossen. Böse Geister, nächtliche und dunkle Geister: Bewohner der Nacht. Was ist, wenn es keine Nächte mehr gibt? Im ewigen Schein der Lampe, jenes treuen Begleiters durch die Nächte des Einsamen. Nahm man sich nicht eine Lampe, eine Kerze gar, zu Hilfe? Kerzen und Brillen. Erste Hilfsmittel der visuellen Kommunikation. Schrift ist nicht zuletzt ein Hilfsmittel visueller Kommunikation. Was ist wenn die Hilfe zum Leben das Leben selbst wird. Schriftliche Kommunikation bezieht sich in der Regel auf so etwas wie “Sinn” hin. Geht es nicht vielmehr um alle fünf Sinne , die es zu benutzen gilt? Oder geht es um den Sinn, den man in der Bibliothek selbst findet? Welchen “Sinn” können Medien übertragen? Hat mein Text für sie, geneigte Leser, so etwas wie “Sinn”? Was richten Geräusche im Flur mit Ihrer Psyche denn an?
Saló.
No va a regresar.

Plakatidee

Wollen wirs hoffen. Wollen wir hoffen, dass jene Welt von “Saló, oder die 120 Tage von Sodom”, welche Piere Paolo Pasolini in seinem Film beschreibt, nie wiederkehrt. Reden wir dabei über Faschismus! Bis wohin geht die Grenze des faschistischen, wenn die UN einen Beobachter in unsere Regionen schickt? Einen Beobachter, der sich mit Rassismus, Dikreminierung und Intoleranz auseinandersetzt. Setzt es denn Ihnen nicht zu, beobachtet zu werden? Warum beobachten die uns eigentlich wenns da nichts gäbe und alles so wäre, wie in den Medien geschwiegen wird? Denn die wichtigste Nachricht ist der Tod von Michael. Ansonsten passiert hier nix.
Bis wohin reicht denn bei uns der bewaffnete Wiederstand hierzulande? Und wofür denn bitte? Waren nicht die letzten Bewaffnungen in Sachsen ausgerechnet von Faschisten versucht worden? Bin ich etwa für einen bewaffneten Wiederstand? Nein. Das ist der falsche Weg. Was soll man dabei in die Hand nehmen? Steine, Wörter, Atombomben? Welches Wort schlägt denn bei uns noch so richtig ein wie “ne Bombe”? Welche meint man denn dann? Wo liegen die Bomben in den Wörtern? Ist die Musik nicht auch eine Bombe? Löst sie nicht auch ein Zucken aus? Gefolgschaft? Wieviel Gefolgschaft bringt man denn hinter sich? Sind Gesetze nicht Mittel der Gefolgschaftsbildung? Wieviel bekommt man denn zusammen? Welche Mittel sind dabei in Betracht zu ziehen? Ist das Wort nicht universalstes Mittel der Gefolgschaftsbildung? Oder hat Gefolgschaftsbildung eventuell andere Dimensionen? Wo steckt man denn jene Qualitäten hin, die Max Weber beschreibt? Wozu gehört jenes Mittel der Herrschaft und Gefolgschaftsbildung, was sich „Charisma“ nennt? Was ist, wenn man nur Worte als Geschenk bekommt? Worte des Versprechens und der Hoffnung. Eine Rede. Das gesprochene Wort, die Agitation. Klassisch von der Bühne herab. Die Aufforderung zum Kampf. Der „Ruf zu den Waffen“. Bleibt man Pazifist, oder überlebt man? Bis zu welcher Stelle reicht die so genannte “Linientreue”? Ist “Linientreue” nicht vielmehr eine militärische Strategie oder doch Parteinpolitik? An welcher Stelle ist denn nun die Linientreue? Ist sie geometrisch oder gewachsen, “ursprünglich”. Jenes häßliche Wort im Munde eines Sachsen. Inwieweit ist die “Mischung”- “el mestizaje” eine große Kategorie? Ich habe es bereits in meiner Kritik zum Kriminalroman erwähnt, zum mexikanischen Kriminalroman wohlgemerkt! Denn “Mischung” ist im der Ideengeschichte des mexikanischen Diskurses bis in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hin eingetragen. Bei José Vasconcelos finden wir die Kategorien “mestizaje” und die “raza cosmica”. Man könnte das ganze auch Science Fiction nennen. Vasconcelos träumt von einer Art “fünften Rasse”. Der Rassebegriff ist im deutschen Diskurs extrem verpönt. Im Spanischen jedoch, hat der Begriff auch positive Konnotationen. Die “la raza” können auch die Typen sein, die unmittelbar vor deinem Haus leben. Die „Rasse“ auf Spanisch kann sich auch auf Stammesebene hin “organisieren”. Das “organische” ist leider auch wieder einer jener verteufelten Wörter, die man eigentlich nicht “in den Mund nehmen darf”. Dies sollte keine Ansage sein. Es ist einer jener Stolpersteine, die einem heutzutage so in den Weg gelegt werden. Diese Steine halten zu einem “Nachdenken” an. Zu einem Be-Denken. Ein Be-denken ist eine Sammlung. Eine Lese. Ganz im Sinne der “Auslese”. So wie im Märchen damals.
“Die guten ins Töpfchen, die Schlechten…”wo auch immer hin. Das machen wir so, immerwieder! Die Schlechten…Die Schlechten. So sagen SIE das.
Halten wir also alle einen Moment Inne. Lesen wir.
Wen oder was lesen wir denn? Die Schrift, die Schrift ist es, die uns am Leben erhält. Oder sind es die Filme? Wohin sich orientieren, mit was sich beschäftigen? Filme analysieren, Menschen, Bewegungen, Denken? Denken ist in Bewegung sein und bleiben. Denken bedeutet vor die Tür gehen, nachschauen, selber kucken. Beschreiben und Schreiben. Reden und Schreiben.Vielleicht nur schreiben, weniger Reden. Ist man seiner eigenen Sprache mächtig? Vielleicht bin ich hier vor Ihnen zusammengebrochen? Vielleicht winde ich mich im Staub, zergehe und zerfalle. Denken sie sich das Mal so, eigentlich…ja so eigentlich könnte ich auch sagen, ich verwese hier genau…genau direkt hier vor Ihnen. Ich Sterbe nicht schnell, sondern langsam. Mir ist Zeit gegeben, der Weg ist lang. Wollen wir also hier gegenüber und voreinander einfach nur sitzen und verwesen? Wir schauen uns an und schauen dabei zu. Wir teilen keine Ideen. Wir kommunizieren nicht. Das nennen manche „Integration“. Dem Anderen zusehen, wie er vegetiert. Ihm beim langsamen Sterben seiner Ideen und Hoffnungen zusehen. So gehen wir mit unseren Nachbarn um. Wir kasernieren, isolieren, stigmatisieren sie. Wir lassen „ihnen“ keine Wahl. Das wir „sie“ sind, dass glauben wir nicht. Das klingt ja nach Mystik, nach krudem Scheiss. Nein bitte nicht sowas. Viel zu romantisch verstiegen, ideal verbrämt. Scheusslich dieser Pathos. Als ob noch irgendwas moralisch wäre? Hat der denn nicht gelernt? Wir öffnen die Sektflasche und feiern den Tag uns selbst und nur uns selbst. Wir sind uns nicht genug. Nein, denn wir sind immer mehr. Und wenn wir gelegentlich ein paar Sündenböcke opfern und ein Schlachtfest betreiben, dann liegt dass an unserer Größe. Wir sind nämlich ganz gewieft, wir schlachten nicht mehr selbst, wir lassen schlachten. Und jeden Tag liegts dann auf unseren Tellern. Schönes frisches Fleisch, manche mögens eben blutig.

Müssten wir uns nicht vielmehr an die Hände fassen und miteinander tanzen? Man sollte „miteinander“ spielen, nicht nebeneinader. Die Kinder auf den Spielplatz schicken! Dort sollen sie sich begegnen. Wen nehmen sie denn wahr? Wen werden sie “erkennen”? Oder werden sie sich “verkennen”. Was passiert wenn auf einmal was fehlt? Wenn man in der Schrift vor einem die Schrift der verhassten Zeitung erblickt, die man selbst liest. Sie nennt sich „Liberation Serif“. Eine frei verfügbare Schriftart. Und wenn ich das sage, dann meine ich es auch so. Ich muss die Bedingungen meines Handelns kennen. Das bedeutet, die Herrschaft über die Produktionsmittel zu mitzuorganisieren. Welches ist das wichtigste Produktionsmittel? Wo liegt die Lebensader verborgen, oder auch die Goldader. Die Goldader allerdings wäre schon wieder extra zu analysieren. Für manchen wurde die Lebensader zur Goldader. Man kann sich aber auch verlieren. Wenn die Lebensader zum Strohalm wird, dünn und zerbrechlich, dann ist Furcht angesagt. Was hält man von Leuten, die grölend am Haus vorbei trollen? Wieviel Gewalt ist man denn ausgesetzt? Ab wann wird Gewalt spürbar? Werden sie oft verprügelt? Sind sie jemals in dieser Gefahr gewesen? Wer verprügelt wen? Das ist die Frage die man sich stellen sollte. Auf welcher Seite will man stehen, ist es die Seite der „Geprügelten“? Wieviele Opfer kann man hinnehmen? Wie oft wurde unsere Demokratie geopfert? Irgendwelche dahergelaufene Faschisten prügeln uns. Ich leugne glattweg die Möglichkeit, dass wir nicht von Spinnern geleitet werden. Und warum? Wer hört wieviel zu? Die Worte des Meisters sind in Deutschland unergründlich. „Tief“ die Gedanken. Warum fliegen denn bitte die Gedanken in Deutschland eigentlich ausgerechnet „tief“? Eigentlich sollten sie doch hoch am Himmel fliegen, leicht und beschwingt. Nein, wir hier in Deutschland, wir fliegen auch gern mal „tief“. Bomben schmeissen wir natürlich nur von oben. Naja…also auch nicht so richtig. Nein wir gucken nämlich nur nach…wir schauen mal so, mit unseren Tornados. Nein, die schiessen nicht! Bitte, bleiben sie sitzen. Nein wir sind doch nicht im Krieg, keine Panik. Alles ist gut…alles wird gut. Glauben sie mir. Kein Problem, ich wollte auch gar nicht weiter stören…

und mit dieser logik garnen SIE uns ein, SIE singen das lied des krieges, der angst und der notwendigkeit zu kämpfen. wir kämpfen immer mit der angst vor uns selbst. die angst vor dem Anderen ist nur die angst vor uns selbst. die Anderen kommunizieren, sie senden botschaften ab. lasst sie uns hören. lasst uns lesen. lesen wir die Anderen.

Es, Ich, Es. Ist. sein. sein. sein. gewesen. geweses. gewesen. processing. wait a minute. por favor espera, sigue procesando.

killall -9 pulseaudio

3 Kommentare

Eingeordnet unter Erleuchtung, Local Politics

Dresdner Stadtrat bekennt sich zur Tautologie

Heute beschloß nach langer Diskussion, in der sogar ein Gastredner einer Initiative und selber Heimbewohner zu Gast war, der die Lage in den Asylbewerberheimen schilderte. Er trug den wunderlichen Namen Mohammed und kam von weither, soviel bekamen auch unsere Stadtratsabgeordneten wohl noch mit. Und seltsam, er zitierte Kant, nein der passt nicht mehr zu Uns. Nein, sowas nicht! Der Sachse im Allgemeinen und der Dresdner im Besonderen braucht einfachere Weisheiten. So wie diese: Schwarz bleibt Schwarz, Grün bleibt Grün und Fahrradfahrer fahren auf Rädern, Gastredner sind auch gern zu Gast. Klar ist auch, dass sich Spätaussiedler und Kontingentflüchtlinge schon immer um dezentrale Unterbringung bemühen durften. Ein Zeichen wäre gewesen, wenn sich dies auch auf Asylbewerber und Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung bezogen hätte, die hier ihre Zeit in Heimen „verwarten“. Dem wird weiterhin nicht so sein.

Aber man hat ja was beschlossen! So einfach wollte man sich sicher keinen bösen Willen unterstellen lassen, nein…auf eine Richtlinie für Ermessensspielräume konnte man sich dennoch einigen. So beschliesst man lieber, dass zu beschliessen, was im Gesetz steht. Schwarz bleibt Schwarz und Grün bleibt Grün, Gelb ürigens auch Gelb und Rot sowieso. Braun allerdings hätte dann schon noch gerne was haben wollen, nämlich, dass „Spätaussiedler“ unterstrichen wird…denn diese „Deutschen“ begrüßt man gern, wie unter Protest vorgetragen wurde. Selbst mit Reichen wurde da nicht gespart- wenn dies auch zu weit ging und die Oberbürgermeisterin nun doch zu einer überlegteren Wortwahl auffordern musste. Und so bleibt denn alles beim Alten oder eben auch wie es ist. Zumindest solang, bis sich endlich was an den Mehrheitsverhältnissen in dieser Stadt tun wird. Vielleicht hat dann auch ein Asylbewerber endlich die Möglichkeit sein Doppelzimmer und seine 6qm gegen eine angemessene Wohnung zu tauschen. Solange jedoch sollen sie sich mal schön freuen, den Verhältnissen entkommen zu sein, weiterhin nicht zu arbeiten und auch sonst…in ihren heimeligen Betten mit dem obligatorischem Stuhl sind sie doch gut aufgehoben. Soviel immerhin haben wir übrig, nicht für Banken, nein, als Rettungsschirm für Menschen die bei uns Schutz suchen. Gut, es schimmelt manchmal, vielleicht wirft auch einer der braunen Freunde bei denen man zu Gast ist etwas ins Fenster oder brüllt ein wenig vor dem Gartentor (die Vorkommnisse mit den braunen Freunden beziehen sich jetzt auf Erzählungen einiger Heimbewohner in Langburkersdorf in tiefster sächsischer Provinz, für die ein Beschluß aus Dresden sicherlich einige Ausstrahlungswirkung haben dürfte- welches ich im September letzten Jahres besucht habe und das zum Landkreis Sächsische Schweiz- Osterzgebirge gehört. Für Dresden will ich jetzt sowas nicht direkt behaupten- die Unterbringung in Heimen ist bestimmt toll für alle, die sowas [Würfe/laute Unmutsbekundungen/Brunftschreie/lustige Sinnsprüche, die man Fremden hierzulande gern mit auf den Weg gibt] in Zukunft vorhaben, da weiss man wenigstens wo man suchen muss…) aber ansonsten- alles beim alten, alles genau geregelt, so wie es sein muss, da ist man sich bei der CDU sicher, auch wenn man zu Besichtigungsterminen nicht erscheint. Soviel Sicherheit und auch ein Bekenntnis für Dynamo ist immer drin. Da sollte man auch nicht den falschen Eindruck haben, hinter manchem Schwarzen steckt Braun- gegen sowas ist man gefeit- Schwarz bleibt eben Schwarz und Gesetze dürfen auch gern mal durch Beschlüsse bestätigt werden. Und so dürfen sich denn nun auch die eine Wohnung suchen (dezentrale Unterbringung im Fachjargon- nicht der Eigenlichkeit, sondern der uneigentlichen Richtigkeit, denn so ist das ja nun auch nicht gemeint und sowas kommt eben von sowas) die sich eine Wohnung suchen dürfen. Bravo! Weiter so. Und Dresdner… wählt weiter Schwarz, damit ihr nicht bald Rot seht. Denn auf einem Auge ist man blind und auf zwei Beinen steht sichs besser, besonders wenns Schwarzgelb ist, so wie die Fahne unserer schönen Landeshauptstadt. Denn gerade hier in Sachsen, wo die schönen Mädels auf den Bäumen wachsen, da bleibt alles so, wie es von jeher ist. Denn so soll es sein. Das Bestehende ist uns schon immer das Liebste und endlich darf das ja dann auch touristisch verstärkt promoted werden. Wir warten schon auf die Flut von „Bodentouristen“, wie es ein anderer Redner  geistreich und um Erfindungsreichtum nicht verlegen, formulierte. Diese Bodentouristen sollen uns demnächst also verstärkt besuchen kommen, ähm, nein nicht die mit den Packen auf den Rücken oder ihren Familien im Schlepptau, wir hätten gern Bayern, Baden Württemberger, ach, alle von hier halt. Dafür machen wir doch nun auch Werbung. Damit die sich dann angucken können, wie bei uns alles so ist wies war, oder besser, aber auf keinen Fall anders. Die werden Augen machen, wenn sie unsere schöne sächsiche Schweiz bestaunen, unsere Nationalen Bündnisse und auch den guten Mann mit der roten Fahne auf der Prager Straße. Was werden die sich freuen, und alles so schön schwarzgelb, bunte Fähnchen wollen wir raushängen, denn von Herzen muss es kommen. Bodentouris wir warten, wir glauben, wir lieben, wir hoffen! Nu, da simmer uns doch eensch! Und mit Fluten kennen wir uns aus. Die Sandsäcke holen wir nur für die Ausländer raus- keine Angst liebe Bodentouristen. Schwarz bleibt Schwarz und Gelb bleibt Gelb.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Local Politics