Archiv der Kategorie: Erleuchtung

Für Yewgenija (beim Lesen von Meister und Margarita)

Stell dir vor alles ist einfach. Auf der Straße treffen sich Menschen und ein Verstehen ist möglich. Stell dir vor, die ganze Akademisierung, die Bewegungsforschung, all das kluge Reden und erklären warum Proteste immer unterdrückt werden und nie zum Erfolg führen, haben keinen Sinn.

Stell dir vor es ist möglich einen Staatsapparat neu zu erfinden, ein anderes Betriebssystem aufzuspielen, wie beim Computer. Stell dir vor es ist möglich, Freiheit und Demokratie zu sagen, ohne dabei an die Verfälschungen eines Wirtschaftsliberalismus denken zu müssen. Stell dir vor es ist wieder möglich, Freiheit und Demokratie im idealistischen Sinne zu sagen, ohne dabei an die Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts und den ad absurdum geführten Glauben der Menschen an diesen zu denken. Stell dir vor, es gibt „das Böse“ wirklich. Wenn Putin, ein Pragmatiker und Theoretiker des Selbst- und Machterhalts, ein Emblem des reinen und skrupellosen Egoismus ist, der bereit ist bis zum Äußersten zu gehen, wirklich der ist, als den man ihn immer in Verdacht hatte, ein Irrer, reich wie die Kirche aber arm an Glauben. Wenn dem so ist, dann gibt es auch „das Gute“- einen Menschen der nicht nur den Opportunismus, sondern Ideale kennt und verwirklicht, der Demokratie und Freiheit ernst meint.

Stell dir vor, die größte Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts, war wirklich wie Putin sagte der Mauerfall und der Untergang der Sowjetunion. Stell dir vor das Katastrophale daran war der Abschied von den Utopien, die Aushöhlung der Identität in jeglichem Sinne- ein Triumph des schizophrenen Pragmatismus im Politischen, der sich verleugnet, weil er seinen Scheffel unter den Sachzwang des Ökonomischen stellt, das Primat des politischen verleugnet und behauptet, eine größere Einheit als das rational egoistische Subjekt, das kleinste Atom jeder Gruppe, sei nicht möglich. Stell dir vor es ist möglich wieder Wir zu sagen, ohne dabei sich selbst zu meinen. Stell dir vor, die Menschen in der Ukraine kämpfen einen Krieg ohne Waffen. Stell dir vor, Soldaten singen Lieder, anstatt zu töten. (X) Stell dir vor, es gibt etwas, das groß genug ist, dafür zu sterben- sich selbst zu verleugnen – passiv zu bleiben – zu schweigen und doch nein zu sagen. Nein zur Lüge, zum Bösen, zur Macht in ihrer schlimmsten, in ihrer terroristischsten Form. Die Furcht davor ist echt, aus Angst reden deshalb so viele wild durcheinander. Niemand kann schweigen, auch die Kranken, die Geschundenen, die Gutmeinenden, die Verirrten, die boshaften Lügner, aber auch die Besserwisser, die Schlaumeier, die Möchtegerns und die, die sowieso nie ihren Mund halten konnten. Dieser vielstimmige Chor der Handelnden, sie alle fürchten sich davor, diese Prüfung könnte auch an sie gestellt werden. Und bei alledem Schweigen die Geprüften in ihrer redseligsten Form.

Stell dir vor die aktive, gemeinsame Stille besiegt das Geschrei und Getöse. Stell dir vor, das Wort, der Begriff, die Idee gebiert sich aus dem Nichts, wie zu Anbeginn der Zeiten, als der erste Mensch tanzte und den Gegensatz von Ihm und dem Tier sah, dass er jagte und verkörperte, wie ich dir einst erzählte. Stell dir vor alles ergibt einen Sinn.

Danke an die aufrichtigen Menschen in der Ukraine, ich glaube Europa kann viel von ihnen lernen…

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Ästhetische Avantgarde

Futuristisch geht die Welt zu Grunde! Mich beeindrucken ja die Buchcover der mexikanischen 70er immer sehr (was mir auch an meiner Ausgabe Leopoldo Zeas sehr gefällt). Hier ein Beispiel, was das in Tanz und Bild übersetzt heißen könnte. Besonders beachtenswert finde ich auch die musikalische Untermalung der Darbietung, da klingelt Detroit schon im Innenohr und all das in einem einzigen Video, wenn das angegebene Datum stimmt! Ich bin platt und könnts immer wieder sehen…

und weils so schön war, leider nicht ganz so avanciert sondern eher new-age- pop, gegen den selbst Jodorowski Filme nicht mehr ankommen, die Verkleidungen sind vielleicht angesichts des vergangenen Karnevals etwas verspätet…

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Brief an einen Unbekannten

Bis zu welchem Punkt lässt sich gelangen? Im Labyrinth, ohne Licht, verirrt, so wie die erste Szene eines französischen Filmes…im Schlamm aufwachen, im Lehm, geboren um die Hand in den dunklen Himmel zu strecken: dort in der leeren Hand!…es verschwimmt…es gleitet davon. Die Frage jedoch bleibt: wo ist Licht? Wo ist die Hoffnung zu Hause? Ist es die Widergeburt? Ist es das Sich- Erneuern im Kind? Was sind die Fragen die es zu klären gilt? Alle kennen wir diese Redeweise, man solle ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und Kinder haben. Sind es die Kinder? Oder ist es nicht vielmehr alles gemeinsam. Was wäre denn, wenn die Welt um dieses Haus diesen Baum und auch um diese kleine Familie zu ändern wäre? Kann man sich in die “Idylle der Privatheit” zurückziehen? Wann gilt es zu kämpfen? Das Schwert in die Hand nehmen. Aber was nehmen wir denn heute noch in die Hand? Buchstaben, Worte, Stifte, Computer. Schwerter oder Krieg nimmt doch niemand mehr in die Hand. Inwieweit ist unsere Gesellschaft denn eigentlich militarisiert? Sollte man Bomben basteln? Sicher nicht. Aber unsere Kinder spielen mit schwerem Kriegsgerät. Sie beherrschen Waffensysteme, die bis in die neunziger Jahre hin und darüber hinaus abgebildet sind. Und mehr noch! Unsere Kinder lernen hoffentlich auch, was in der Vergangenheit mit Waffen gemacht wurde. Was wissen wir denn eigentlich selbst über Waffensysteme?

Kann die Liebe eine Waffe sein? Die Liebe ist das Lieblingsthema eines mexikanischen Philosophen und Schriftstellers, der im deutschen kaum gekannt wird. Ich rede von Octavio Paz, dem Octavio Paz, der einen Friedensnobelpreis bekommen hat.

Im neustem Soderbergh Film über Che Guevara ist ein “Che” zu sehen, der schreibt:
„Die größte Tugend des Revolutionärs ist die Liebe“.

Nein. Sorry. Der hat keinen Friedensnobelpreis bekommen.

Die romantische Liebe?  Sartre fand, die höchste Tugend des Intellektuellen sei es, einen Wiederspruch zu beschreiben. Einen dialektischen Wiederspruch: etwas Treibendes, eine Kraft. Die Kraft des Wortes? Bei Sartre nicht, aber in Lateinamerika gibt es bereits seit langem eine Bewegung, die die Kraft des bewaffneten Wortes vertritt. Angefangen bei den spanischen Conquistadoren. Standen sich beim zusammtreffen jener zwei Welten, damals als Columbus in Haiti oder Cortés in Mexiko ihren Wiedersprüchen begegneten, nicht zwei bewaffnete Wörter gegenüber? Von „woher“ machten sich Ihnen denn Wiedersprüche geltend. Waren dies Wiedersprüche aus dem Zentrum oder der Peripherie des Reiches oder Imperiums zu hören? Waren es nicht vielmehr zwei regionale Wiedersprüche, die aus dem Zentrum zur jeweiligen Peripherie hin “funkten”? Welche Kommunikationsmittel wurden damals gebraucht? Kann ich nicht heutzutage mit den Mitteln der Telekommunikation in die Peripherie und das Zetrum jeglicher “Gegend” hin funken? Wo entstehen denn die Geister? Jene Geister die damals aus dem “Traum der Vernuft” bei Goya entsprossen. Böse Geister, nächtliche und dunkle Geister: Bewohner der Nacht. Was ist, wenn es keine Nächte mehr gibt? Im ewigen Schein der Lampe, jenes treuen Begleiters durch die Nächte des Einsamen. Nahm man sich nicht eine Lampe, eine Kerze gar, zu Hilfe? Kerzen und Brillen. Erste Hilfsmittel der visuellen Kommunikation. Schrift ist nicht zuletzt ein Hilfsmittel visueller Kommunikation. Was ist wenn die Hilfe zum Leben das Leben selbst wird. Schriftliche Kommunikation bezieht sich in der Regel auf so etwas wie “Sinn” hin. Geht es nicht vielmehr um alle fünf Sinne , die es zu benutzen gilt? Oder geht es um den Sinn, den man in der Bibliothek selbst findet? Welchen “Sinn” können Medien übertragen? Hat mein Text für sie, geneigte Leser, so etwas wie “Sinn”? Was richten Geräusche im Flur mit Ihrer Psyche denn an?
Saló.
No va a regresar.

Plakatidee

Wollen wirs hoffen. Wollen wir hoffen, dass jene Welt von “Saló, oder die 120 Tage von Sodom”, welche Piere Paolo Pasolini in seinem Film beschreibt, nie wiederkehrt. Reden wir dabei über Faschismus! Bis wohin geht die Grenze des faschistischen, wenn die UN einen Beobachter in unsere Regionen schickt? Einen Beobachter, der sich mit Rassismus, Dikreminierung und Intoleranz auseinandersetzt. Setzt es denn Ihnen nicht zu, beobachtet zu werden? Warum beobachten die uns eigentlich wenns da nichts gäbe und alles so wäre, wie in den Medien geschwiegen wird? Denn die wichtigste Nachricht ist der Tod von Michael. Ansonsten passiert hier nix.
Bis wohin reicht denn bei uns der bewaffnete Wiederstand hierzulande? Und wofür denn bitte? Waren nicht die letzten Bewaffnungen in Sachsen ausgerechnet von Faschisten versucht worden? Bin ich etwa für einen bewaffneten Wiederstand? Nein. Das ist der falsche Weg. Was soll man dabei in die Hand nehmen? Steine, Wörter, Atombomben? Welches Wort schlägt denn bei uns noch so richtig ein wie “ne Bombe”? Welche meint man denn dann? Wo liegen die Bomben in den Wörtern? Ist die Musik nicht auch eine Bombe? Löst sie nicht auch ein Zucken aus? Gefolgschaft? Wieviel Gefolgschaft bringt man denn hinter sich? Sind Gesetze nicht Mittel der Gefolgschaftsbildung? Wieviel bekommt man denn zusammen? Welche Mittel sind dabei in Betracht zu ziehen? Ist das Wort nicht universalstes Mittel der Gefolgschaftsbildung? Oder hat Gefolgschaftsbildung eventuell andere Dimensionen? Wo steckt man denn jene Qualitäten hin, die Max Weber beschreibt? Wozu gehört jenes Mittel der Herrschaft und Gefolgschaftsbildung, was sich „Charisma“ nennt? Was ist, wenn man nur Worte als Geschenk bekommt? Worte des Versprechens und der Hoffnung. Eine Rede. Das gesprochene Wort, die Agitation. Klassisch von der Bühne herab. Die Aufforderung zum Kampf. Der „Ruf zu den Waffen“. Bleibt man Pazifist, oder überlebt man? Bis zu welcher Stelle reicht die so genannte “Linientreue”? Ist “Linientreue” nicht vielmehr eine militärische Strategie oder doch Parteinpolitik? An welcher Stelle ist denn nun die Linientreue? Ist sie geometrisch oder gewachsen, “ursprünglich”. Jenes häßliche Wort im Munde eines Sachsen. Inwieweit ist die “Mischung”- “el mestizaje” eine große Kategorie? Ich habe es bereits in meiner Kritik zum Kriminalroman erwähnt, zum mexikanischen Kriminalroman wohlgemerkt! Denn “Mischung” ist im der Ideengeschichte des mexikanischen Diskurses bis in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hin eingetragen. Bei José Vasconcelos finden wir die Kategorien “mestizaje” und die “raza cosmica”. Man könnte das ganze auch Science Fiction nennen. Vasconcelos träumt von einer Art “fünften Rasse”. Der Rassebegriff ist im deutschen Diskurs extrem verpönt. Im Spanischen jedoch, hat der Begriff auch positive Konnotationen. Die “la raza” können auch die Typen sein, die unmittelbar vor deinem Haus leben. Die „Rasse“ auf Spanisch kann sich auch auf Stammesebene hin “organisieren”. Das “organische” ist leider auch wieder einer jener verteufelten Wörter, die man eigentlich nicht “in den Mund nehmen darf”. Dies sollte keine Ansage sein. Es ist einer jener Stolpersteine, die einem heutzutage so in den Weg gelegt werden. Diese Steine halten zu einem “Nachdenken” an. Zu einem Be-Denken. Ein Be-denken ist eine Sammlung. Eine Lese. Ganz im Sinne der “Auslese”. So wie im Märchen damals.
“Die guten ins Töpfchen, die Schlechten…”wo auch immer hin. Das machen wir so, immerwieder! Die Schlechten…Die Schlechten. So sagen SIE das.
Halten wir also alle einen Moment Inne. Lesen wir.
Wen oder was lesen wir denn? Die Schrift, die Schrift ist es, die uns am Leben erhält. Oder sind es die Filme? Wohin sich orientieren, mit was sich beschäftigen? Filme analysieren, Menschen, Bewegungen, Denken? Denken ist in Bewegung sein und bleiben. Denken bedeutet vor die Tür gehen, nachschauen, selber kucken. Beschreiben und Schreiben. Reden und Schreiben.Vielleicht nur schreiben, weniger Reden. Ist man seiner eigenen Sprache mächtig? Vielleicht bin ich hier vor Ihnen zusammengebrochen? Vielleicht winde ich mich im Staub, zergehe und zerfalle. Denken sie sich das Mal so, eigentlich…ja so eigentlich könnte ich auch sagen, ich verwese hier genau…genau direkt hier vor Ihnen. Ich Sterbe nicht schnell, sondern langsam. Mir ist Zeit gegeben, der Weg ist lang. Wollen wir also hier gegenüber und voreinander einfach nur sitzen und verwesen? Wir schauen uns an und schauen dabei zu. Wir teilen keine Ideen. Wir kommunizieren nicht. Das nennen manche „Integration“. Dem Anderen zusehen, wie er vegetiert. Ihm beim langsamen Sterben seiner Ideen und Hoffnungen zusehen. So gehen wir mit unseren Nachbarn um. Wir kasernieren, isolieren, stigmatisieren sie. Wir lassen „ihnen“ keine Wahl. Das wir „sie“ sind, dass glauben wir nicht. Das klingt ja nach Mystik, nach krudem Scheiss. Nein bitte nicht sowas. Viel zu romantisch verstiegen, ideal verbrämt. Scheusslich dieser Pathos. Als ob noch irgendwas moralisch wäre? Hat der denn nicht gelernt? Wir öffnen die Sektflasche und feiern den Tag uns selbst und nur uns selbst. Wir sind uns nicht genug. Nein, denn wir sind immer mehr. Und wenn wir gelegentlich ein paar Sündenböcke opfern und ein Schlachtfest betreiben, dann liegt dass an unserer Größe. Wir sind nämlich ganz gewieft, wir schlachten nicht mehr selbst, wir lassen schlachten. Und jeden Tag liegts dann auf unseren Tellern. Schönes frisches Fleisch, manche mögens eben blutig.

Müssten wir uns nicht vielmehr an die Hände fassen und miteinander tanzen? Man sollte „miteinander“ spielen, nicht nebeneinader. Die Kinder auf den Spielplatz schicken! Dort sollen sie sich begegnen. Wen nehmen sie denn wahr? Wen werden sie “erkennen”? Oder werden sie sich “verkennen”. Was passiert wenn auf einmal was fehlt? Wenn man in der Schrift vor einem die Schrift der verhassten Zeitung erblickt, die man selbst liest. Sie nennt sich „Liberation Serif“. Eine frei verfügbare Schriftart. Und wenn ich das sage, dann meine ich es auch so. Ich muss die Bedingungen meines Handelns kennen. Das bedeutet, die Herrschaft über die Produktionsmittel zu mitzuorganisieren. Welches ist das wichtigste Produktionsmittel? Wo liegt die Lebensader verborgen, oder auch die Goldader. Die Goldader allerdings wäre schon wieder extra zu analysieren. Für manchen wurde die Lebensader zur Goldader. Man kann sich aber auch verlieren. Wenn die Lebensader zum Strohalm wird, dünn und zerbrechlich, dann ist Furcht angesagt. Was hält man von Leuten, die grölend am Haus vorbei trollen? Wieviel Gewalt ist man denn ausgesetzt? Ab wann wird Gewalt spürbar? Werden sie oft verprügelt? Sind sie jemals in dieser Gefahr gewesen? Wer verprügelt wen? Das ist die Frage die man sich stellen sollte. Auf welcher Seite will man stehen, ist es die Seite der „Geprügelten“? Wieviele Opfer kann man hinnehmen? Wie oft wurde unsere Demokratie geopfert? Irgendwelche dahergelaufene Faschisten prügeln uns. Ich leugne glattweg die Möglichkeit, dass wir nicht von Spinnern geleitet werden. Und warum? Wer hört wieviel zu? Die Worte des Meisters sind in Deutschland unergründlich. „Tief“ die Gedanken. Warum fliegen denn bitte die Gedanken in Deutschland eigentlich ausgerechnet „tief“? Eigentlich sollten sie doch hoch am Himmel fliegen, leicht und beschwingt. Nein, wir hier in Deutschland, wir fliegen auch gern mal „tief“. Bomben schmeissen wir natürlich nur von oben. Naja…also auch nicht so richtig. Nein wir gucken nämlich nur nach…wir schauen mal so, mit unseren Tornados. Nein, die schiessen nicht! Bitte, bleiben sie sitzen. Nein wir sind doch nicht im Krieg, keine Panik. Alles ist gut…alles wird gut. Glauben sie mir. Kein Problem, ich wollte auch gar nicht weiter stören…

und mit dieser logik garnen SIE uns ein, SIE singen das lied des krieges, der angst und der notwendigkeit zu kämpfen. wir kämpfen immer mit der angst vor uns selbst. die angst vor dem Anderen ist nur die angst vor uns selbst. die Anderen kommunizieren, sie senden botschaften ab. lasst sie uns hören. lasst uns lesen. lesen wir die Anderen.

Es, Ich, Es. Ist. sein. sein. sein. gewesen. geweses. gewesen. processing. wait a minute. por favor espera, sigue procesando.

killall -9 pulseaudio

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Mein Ostersegen, Lob der Sonne und des Rades…

„Die Sonne ist“, so pries Critilo, „das Geschöpf, das am sichtbarsten des Schöpfers Größe wiedergibt. Sol wird sie genannt, und solus ist sie, einzig, denn in ihrer Gegenwart verblassen alle anderen Gestirne. Sie steht im Mittelpunkt der Himmelsbahnen. Herz des Leuchtens und immerwährender Born des Lichts. Unvergänglich ist sie, dass man alle Dinge sieht, und erlaubt doch nicht, dass man sie selbst ansieht; ihre Zierde verbirgt sie, ihre Scham verwehrt sie den Blicken; im Verein mit den Übrigen Ursachen wirkt sie dahin, allen Dingen das Sein zu geben und noch dem Menschen selbst; bereitwillig spendet sie ihr Licht und von ihrer Freude, ergießt dies allenthalben und dringt selbst ins Innerste der Erde; alles benetzt, erfreut, erhellt, befruchtet und belebt sie; gleichmäßig waltet sie, geht über allem auf, benötigt keinen, der unter ihr steht, denn alle bekennen sich ja abhängig von ihr; schließlich ist sie ein Geschöpf zur Offenbarung, der leuchtendste Spiegel in dem die göttliche Größe sich darstellt.“ Gracián, Baltasar: Das Kritikon. 2001, Zürich. (erste vollständige Übersetzung von Hartmut Köhler)

Diesem Lob der Sonne von Baltasar Gracián und anderen vor ihm, die sich dem überlieferten Wort verpflichteten, ist wenig bis nichts hinzuzufügen.

Die Wiesen sind von den Jüngern der Sonne überfüllt. Der Alaunpark ist verwüstet, wenn die Nacht hereinbricht und die Weisen wachen- wenn die Eule der Minerva ihre Flügel ausbreitet. Aber nichts von alledem soll uns hier beschäftigen- das Lob der Sonne ist auch das Lob jener, die wieder den Kampf gegen die Landschaft beginnen. Rittern gleich, sich nicht mit Drachen, Magiern und Hexen messen, sondern sich auf Metallrössern den beeindruckendsten Anstiegen rund um Dresden widmen. Lange lagen die einsamen Weinbergstrassen, die von der Pillnitzer Landstrasse aus ins Schönfelder Hochland führen im Nebel mit feuchtem und rutschigem Split bedeckt.

Jetzt endlich, unter der Kraft jener vorher beschriebenen Herrschaft sind sie wieder bezwingbar geworden. Die Landschaft, die Rampen, die sich in den Weg stellen, bilden das Hindernis, welches erkämpft, erschwitzt, errungen werden muss. Es verlangt vom Rennradfahrer eine Kriegserklärung an das Werk der Schöpfung oder jenen uneinsichtigen Zufall- je nach weltanschaulicher Auslegung. Worauf es ankommt ist- die Landschaft selbst ist Hindernis, Wiedersacher, Gegenstand der Empörung und der  Auflehnung des Einzelnen, dem er sich  auf einem Rad stellt!

Wenngleich er Teilnehmer der Landschaft bleibt, sie niemals verformen und verändern wird, das machen notwendigerweise die Strassenbauer, jene modernen Erfüllungsgehilfen des rennradfahrenden Geschwindigkeitsasketen, die ihre unverzichtbaren Spuren bereits überall hinterlassen haben. Das „Schöne“ ist, nicht als „natürlicher“ Garten Eden hinter der Kulturlandschaft als Paradies utopisch spürbar, oder für immer verschwunden (verloren). Der sich bewegende Asket selbst braucht gerade jene „zweite Natur“ in welcher er seit der Moderne zu leben verdammt wurde.  Er verhält sich affirmativ gleichgültig zu Geschichte. Notwendigerweise lechzt er nach asphaltierten Wegen durch die Wildnis, die sich ihm abseits seiner grauen Spur auftut, der er jedoch keinen Blick zuviel verschenkt. Die Augen bleiben starr gerade aus gerichtet, die nächste Horizontlinie, die Kuppe des Berges, den Kopf wippend über den Lenker gebeugt. Die Oberschenkel brennen, der Schmerz sticht tief in die Wunden, die das Leben selbst gerissen hat. Sich in den Schmerz hineinlegen und einem Büßer gleich neue Strafen auftun für die unbenennbare Schuld. Passend zu Ostern, sich selbst bei schönstem Wetter ans Kreuz nageln. Das Kreuz jedoch ist das Rad der Geschichte und die ewige Wiederkehr des Gleichen, ein Anfang der Ende ist, Yin und Yang, Meister und Lehrer, Brahman und Atman vereinigt im Dritten, Advaita. Der Ausweg aus dem Samsara, die Bejahung des Leidens im Leidenslosen Zustand des Nichts, welches man gelegentlich erreicht, während man sich geißelt:

Dem berühmten Radrennfahrer Joachim T. wurde einmal die Frage gestellt: ob er von innen wahrnehmen könne was beim Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit auf seinem Gesicht als Abwesenheit in Rausch oder Traum erscheine? was sein Bewußtsein eigentlich wisse von dem fast fließend lockeren Zusammenspiel seiner Bewegungen? ob es da noch eine von ihm beaufsichtigte Mitte gebe? Die Frage kam nach der Vorführung einer Filmaufnahme, die mit mehr als fünfhundert Belichtungegen je Sekunde einen traumwandlerisch schwebenden Endspurt nicht mehr in einzeln angesetzte Bewegungen hatte zerlegen können. Joachim T. antwortete: […] Er habe im Studium erfahren, daß die Fahrbewegungen eines hochtrainierten Körpers durch das Zentralnervensystem gesteuert werden, und jede Aufsicht durch Willen und Bewußtsein verwirre die Automatik für längere Zeit. Mit Hilfe dieser Erklärung habe er die Zustände leerer Entrückung hingenommen, als Gewöhnung und Ausdauer sie doch erzeugten. Beim ersten Mal habe er sich der Trance nur mit Bestürzung entsinnen können, mittlerweile allerdings vermöge er sie vorzubereiten und zu dosieren […] Das Bewußtsein trage dann Scheuklappen, er sehe kaum die Strasse nur die Fahrbahn, und das anfeuernde Geschrei komme als sehr fernes homogenes Geräusch. Es wolle ihm nun vorkommen als erinnere er sichn dann an die Zeit seiner Kindheit, da er die Schnelligkeit des Fahrgeräts und dessen Verwachsenheit mit dem Körper zum ersten Mal empfunden habe, denn Gefühl und Stimmung dieses Zustands seien gefärbt wie das Gedächtnis der damaligen Jahre.

Johnson, Uwe: Das dritte Buch über Achim. Frankfurt am Main 1964, S. 251/251.

Diesem unbestimmbaren Glück, dessen Fundamente mit Schmerz und Erschöpfung gegossen werden, renne zumindest ich endlich wieder mit der Kraft der Sonne entgegen. Und mit mir tun es viele Andere, die man gelegentlich oder wiederholt entgegenkommen sieht, mit denen man sich mißt, oder die man ziehen lässt. Im Kreise kommen wir voran, der Sonne entgegen, der Erkenntnis das alles nichts ist und nichts alles. Und beweg ich mich, so komm ich weiter, der Pilgerweg ohne Ziel, die Sonne bestrahlt, aber sie strahlt nicht mehr aus. Das wäre vielleicht doch noch zu sagen, zu Gracián. Denn so einfach fließt es nicht mehr aus der Mitte heraus.

Das Zentrum ist uns abhanden gekommen, wir trudeln um die Sonne, kreisen um uns selbst in einer transzendentalen Obdachlosigkeit und gut eingerichteten zweiten Umwelt, einem Innen ohne Außen, zugerichtet und ganz auf uns abgestellt. Sonnen gibts an jeder Ecke, alle wollen strahlen und erregen doch nichts als Krebs. Krebse an und in Menschen. Der Spiegel ist zerbrochen. Eigentlich gibt es keine Bahnradfahrer mehr, weil es keine Häuser mehr gibt und schon gar keine Dächer. Und ohne Zentrum gibt es nur Wege, keine Bahnen. Deshalb sind wir wieder auf der Straße, die unser Zuhause ist. Und wir bleiben da, leise flitzend, kurz sichtbar, schon um die Nächste Ecke verschwunden, im Rückspiegel blitzend und im toten Winkel verschluckt. Man sieht uns niemals lang, wir verweisen auf Glück am Ende des Regenbogens. Dein versteckter Schatz, das Glück des Conquistadore, der es selbst nicht verstand und auszog um die Wiedergeburt zu vermeiden. Das Prinzip des rauchenden Spiegels, es darf nicht gewinnen! Quetzalcoatl ist wiedergekehrt um ihm zu begegnen, das Leben beginnt und so dreht sich denn auch das Rad. Kein Ziel nur das Opfer – für das Leben! Frohe Ostern…

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