Logbucheintrag

Im beschwingten Tangosound von Carlos Libendinsky in den Morgen hinein. Ein kalter und sonniger Morgen, heute wird die Demonstration der wall street Okkupanten stattfinden. Internationale Solidarität, die Zeitungen haben bereits ihr Artikel vorgeschrieben, in der Welt und dem Freitag lassen sich bereits erste Texte dazu lesen, dann noch schnell ein youtube video angeschaut, was deren Lautsprecherfunktion zeigt. Da Megaphone verboten sind, verstärken sich die Leute mit einer Masse aus Leuten, welche alles wiederholt, was die Sprecher vorsagen. Auch ganz interressant sind die verschiedenene Handzeichen, die Zustimmung, Wiederholung oder gar Ablehnung anzeigen sollen. Sehr interessant diese Ausgeburten aus den Köpfen einiger Sozialpädagogen. Dies kann sicher innerhalb einer grösseren Gruppe die Entscheidungsfindung verbessern, allerdings habe ich doch meine vielleicht kleinbürgerlichen Zweifel, ob genau dies wirklich den Entscheidungsstrukturen einer globalisierten Welt etwas entgegensetzen kann. Ich nehme an, dass es dort wie bei anderen Besetzungen (Hochschulen der letzten Jahre) einen harten Kern von Leuten gibt, welche auch auf der Strasse dort übernachten, wohingegen ein großer Teil Abends oder jedenfalls später wieder nach Hause geht. Irgendwie kennt man die Geschichte. Und die kalten Tage kommen erst noch.
Zumindest hat sich der New Yorker Bürgermeister erst mal gegen eine Räumung entschieden, was ja schon mal wirklich viel ist. Ich glaube trotzdem nicht daran, dass die Berliner heute lange auf dem Pariser Platz verweilen wollen, dass man sich ernsthaft zu etwas größerem zusammenschliessen will. Schon die Sprache der Zeitungen deutet es an, es wird von „Demonstrationen“ geredet. Wahrscheinlich ist die Strategie dahinter, die Menschen die zu dieser Veranstaltung komen auf eine langweilige Latschdemo festzulegen, von denen es in Berlin ja nun gerade eine Menge gab (Freiheit statt Angst, Anti-Pabst Demo). Alle waren einfach nur ein Zug von Menschen, mit Plakaten, welche brav die Straßen abmarschierten. Unter den Linden entlang, ein kleiner Herbstspaziergang, das hat ja noch nie geschadet, ich glaube niemand fühlt sich davon gestört und alle die dabei waren, können nachher vom guten Gewissen zehren, doch etwas getan zu haben. Nicht dass ich denke, man solle lieber Autos anzünden oder Brandbeschleuniger an Bahngleise legen, allerdings ist ein Plakat zu basteln irgendwie eine hoffnungslos romantische oder verzweifelte Tat. Was generell fehlt sind Kanäle auf denen sich diese Bürger mit ihrem Unbehagen auch einbringen können, was dann über die bloß symbolische Unmutsbekundung hinausgeht. Zivilgesellschaft die wirklich miteinbezogen wird in die Enstscheidungsfindung. Aber wahrscheinlich werden die ganzen Politiker sie erst mal alle in die Konzertierungszange nehmen, alle werden vorgespielt bekommen, etwas sagen zu dürfen und dann hinterrücks doch wieder über den Tisch gezogen zu werden. Energie in verlorene Sachen zu stecken, diese Erfahrung wird politischen newbies auf jeglicher Demo noch zu Teil werden. Ich bin gespannt und werde es mir doch nicht nehmen lassen, der Ratlosigkeit aller in die Augen zu starren und Teil davon zu sein. Unsere Generation ist vor die große Herausforderung gestellt hier wirklich etwas Grundlegendes zu ändern. Wirtschaft muss ja sicher nicht schlecht sein, in ihrem angemessenem Rahmen. Der freie Wettbewerb muss wieder in seine Grenzen in der Gesellschaft, nicht die Gesellschaft in allen Lebensbereichen diesem untergeordnet. Aber diese Phrasen kann eigentlich schon niemand mehr hören, das lese ich doch lieber weiter etwas Karl Mannheim, der mich gerade in den Ausführungen über Denkstile sehr fesselt.

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