Bezüglich Sloterdijk…

Aha, die Debatte kam also noch zu Stande, hat ja recht lang gedauert aber wohl doch.

Die Entgegnung von Bohrer übersteigt jedoch meinen zugegebenermaßen bestimmt ebenso einfach gestrickten und linkskonformistisch-peinlichen Geist.

Ich las Sloterdijks Einfall als das, was er nur sein konnte: eine leider nie zu realisierende Utopie, sozusagen als eine, um es mit einem abgeänderten Wort Friedrich Schlegels zu sagen, Allegorie auf den transzendentalen Realismus, sprich den Dreiklassenstaat.

Es ist mir unerklärlich was er hiermit meint. Vielleicht kann man das ja auch einfach offen lassen und als Frage in den virtuellen Raum stellen.

Insgesamt scheint es wohl eher (so las ich den zitierten Satz Bohrers), als gänge es Sloterdijk darum, einfach mal immer öffentlich das zu denken, von dem er weiß, daß es provoziert und Debatten auslöst.

Das Denken im Text zu vollziehen. Das passt ja auch zu Nietzsche und dem freien Geist. Soviel hab ich schon noch verstanden und Nietzsche im Original ist mir lieber als der Hinweis Bohrers (trotzdem Danke für den Finger auf den Fehlern der ganz Großen…)

wir sind etwas anderes als >libres-penseurs<, >liberi pensatori<, >Freidenker< und wie alle diese braven Fürsprecher der >modernen Ideen< sich zu benennen lieben. In vielen Ländern des Geistes zu Hause, mindestens zu Gaste gewesen, den dumpfen angenehmen Winkeln immer wieder entschlüpft, in die uns Vorliebe und Vorhass, Jugend und Abkunft, der Zufall von Menschen und Büchern, oder selbst die Ermüdungen der Wanderschaft zu bannen schienen; voller Bosheit gegen die Lockmittel der Abhängigkeit, welche in Ehren oder Geld oder Ämtern, oder Begeisterungen der Sinne versteckt liegen; dankbar sogar gegen Noth und wechselreiche Krankheit, weil sie uns immer von irgendeiner Regel und ihrem >Vorurtheil<b losmachte, dankbar gegen Gott Teufel, Schaf und Wurm in uns, neugierig bis zum Laster, Forscher bis zur Grausamkeit, mit Unbedenklichen Fingern für Unfaßbares, mit Zähnen und Mägen für das Unverdaulichste, bereit zu jedem Handwerk, das Scharfsinn und scharfe Sinne verlangt, bereit zu jedem Wagniss, Dank einem Überschusse von freiem Willen, mit Vorder- und Hinterseelen, denen keiner leicht die letzten Absichten sieht, mit Vorder- und Hintergründen, welche kein Fuss zu Ende laufen dürfte, Verborgene unter den Mänteln des Lichts, Erobernde ob wir gleich Erben und Verschwendern gleich sehn…

Tja. Danach gehts weiter mit den Vogelscheuchen und der Einsamkeit.

Bis dahin könnte man es auch als Credo der FDP lesen. Bereit zu jedem Handwerk…besonders schön auch die Erben und Verschwender. Die hat niemand mitzitiert unter den freien Geistern von Heute.

Irgendwie schon lustig, diesen deutschen Intellektuellen zuzusehen bei „ihrer“ großen Debatte. Wenn sie sich dann doch mal aus der Einsamkeit heraustrauen, in die sie vielleicht auch gerade solche Forderungen Nietzsches geworfen haben. Verwirrte Geister, deren Welt die Bibliothek ist und nicht mehr die Welt. „Wirklichkeitsspuren“ versuchen sie zu finden. Naja viel Spaß auch dabei. Und bloß nicht zuviel davon, dann könnte so eine Debatte auch an ihrer eigenen Banalität zerbrechen. Klar kann man den Sozialstaat auch mal in Zweifel ziehen aber trotzdem frage ich mich, warum öffentlich? Warum nicht in der stillen Einsamkeit? Westerwelle schreit es ja gerne schon in jedes Mikro das bereitsteht, das ist sein Job. Da müssen ihm nicht auch noch die „Philosophen“ und freien Denker Konkurrenz machen, zumindest finde ich das.

es ist nicht mal lustig/

der witz hat einen bart/

sie werden dafür bezahlt/

sie werden dafür bezahlt/

Ich frage mich ja, ob die vielgescholtenen Frankfurter, die ach so bösen Buben und verbohrten Linksintellektuellen nun weinend in ihren Stuben sitzen. Sie haben wirklich abgewirtschaftet, ja…wirklich…denn wir brauchen mehr FAZ…mehr Konkurrenz und besonders Konsistenz…auch in der Politik, haben wir ja jetzt! Immer diese Wahrheitskeulen…ich finde es eigentlich nicht allzu schlecht, wenn Philosophen auch mal damit winken und dieser unsäglichen Wortverdrehungen im öffentlichen Raum Einhalt gebieten…der Faktor der Zeit, den Hans Blumenberg so in seiner  Anthropologie des rhetorischen Höhlenmenschen aufgezeigt hat, ist in die Debatte überhaupt nicht eingegangen. Vertrödeln wir also weitere Legislaturperioden unter dem Zepter der großen Aussitzerin…die Probleme verschieben wir mal noch ne Runde, die Leistungsträger leisten weiter…und schreiben weiter an Texten und Debatten, die niemand braucht. Mitmachen macht glücklich. Das müssen wir glaub ich nochmal ausdiskutieren und eine Lösung finden. Da bin ich sicher. Wir sind dabei eine Lösung zu finden. Eine Lösung. Jawohl. Da müssen wir aber beide Seiten nochmal hören. Das werden wir schon ausdiskutieren. Kompromiße, jawohl. Aushandeln. So schallts in den leeren Köpfen, ein Echo…Wörter die zwischen Spiegeln hin und herfliegen und mehr Wörter generieren. Und über alle thront Sie…die große  sich immer gleiche Dreifaltigkeit. Der heilige Geist Mittelstand…

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