Die X-Mas Hölle (warum nicht gerade jetzt…wo doch alle über sowas schreiben werden- bedienen, bedienen, bedienen)

Reflexionen über Weihnachten sollten keinesfalls mit “alle Jahre wieder” beginnen. Dieser Allgemeinplatz ist eine von vielen Binsenweisheiten, an denen die Zeit um Weihnachten herum so reich ist. (bedienen, bedienen, bedienen…) In der Familie wird geredet und mit Sonderangebotswahrheiten zum mitnehmen nur so um sich geschmissen. Wenig authentisches, wenig echtes, “wahres” ist hier zu Hause. Unterm Baum wird so dahergeschwafelt und so füllen Geräusche die heimelige Gemütlichkeitsluft, die schwer zu Atmen ist. Gerüche nach Gebäck und Zimt oder anderen Gewürzen, Melodien, die schon lange keiner mehr hören mag schaffen ein schwül warmes Klima im Haus (naja…wahlweise Wohnstaette) der kleinen Familien. Die Worte kommen hinzu, durch Höflichkeiten ergänzt, die Konventionen und Traditionen, die hier in Hülle und Fülle vorhanden (bedienen, bedienen, bedienen…) sind verdichten diese schwülstige Atmosphäre zur klebrigen deutschen Innerlichkeit, die “im Kreise der Lieben” zur Äußerlichkeit wird und alles verkrustet.

Nicht nur der Spülautomat, auch das Gehirn sollte nachher gründlich gelüftet werden.

Familienluft vergiftet. Und über uns leuchtet der helle “Schein”- warum lieben wir ihn nur so sehr und gerade um diese Jahreszeit. Der Philosoph hasst bekanntlich den Schein und so zwangsläufig wohl auch Weihnachten: Fiktionen, Märchen und Geschichten verwirren und ergänzen dies alles nur noch, der Philosoph, jene böse alte Figur (bedienen, bedienen, bedienen…) die am Ende des 18. Jahrhunderts im Boden versunken ist wie Rumpelstilzchen, würde, wenn er noch lebte, sich wohl erbrechen müssen, angesichts der Dichte jener Verklebungen, die wir uns mit fröhlichem Sadismus immer wieder aufs neue, jedes Jahr ins Haupt schmieren. Gemütlichkeit- wer hätte solch einen Begriff überhaupt als etwas der Philosophie Beachtenswertes empfunden. Die Blut- und Bodenphilosophen, sowie die erzkonservativen der Zunft, sahen darin das Grundübel überhaupt- die moderne Couchpotatoe singt noch immer ihr trauriges etwas antiquiertes Lied davon (bedienen, bedienen, bedienen…). Sie ist still und leise zur Wirklichkeit des technisch, modernen Menschen geworden, dem Warnruf der alten bösen Männer zum Trotz. Der Luxus, die Überfülle- ein immerwährendes Weihnachten ist anscheinend die neue Lage, von der bis auf weiteres auszugehen ist. Jeden Abend Bescherung. Der Weihnachtsmann schleicht sich wie immer heimlich des Nächten durch die kalte Winterluft und infiltriert die Köpfe. Die Kamine haben die Gestalt gewechselt und geben sich als flache Plasmascheiben, die Information versprechen und doch nur Rutschbahnen für Kindermärchen sind. Die infantil gebliebenen Erwachsen sich nennenden Couchies davor sperren ihre verwöhnten Augen auf und empfangen die “P-e-r-f-e-k-t-i-o-n” die uns geliefert und als Schönheit verkauft wird. Perfektion überhaupt, die Idee das irgendwie Fehler nicht vorhanden sein könnten- trägt in sich den Tod- den wir jedoch alle als Schönheit anbeten und der erfolgreich weghygienisiert wurde. Perfektion als quantitativ messbare Beschreibung von Dingen. Perfektion als letztes Ziel von Optimierung, körperlich, geistig, gemütlich. Designter, hergestellt und zugerichteter Zustand der Starrheit. So ist denn auch diese perfekte Idylle das Ziel der weihnachtlichen Familienfröhlichkeit und Produkt der Athmotechnik aus Klang, Geruch und Umgebung. Jeder spielt hoffentlich mit- Mißtöne, Konflikte, Zwist, Wiederspruch werden zugedeckt- geglättet, entschärft. (Das Runde und das Eckige- wenn das mal keine Allgemeinplätze sind, dann weiss ich auch nicht mehr…)

Das Klo als Ort letzter Wahrheiten ist direkt um die Ecke, alles mißliche und alles ungewollte kann dort entsorgt werden – vielleicht auch die Tränen echter Getroffenheit angesichts dieser Scheinanbetung- dieser grenzenlosen Aussichtslosigkeit, angesichts dieser sich schnell wandelnden Scheinozeane, die sich vorm Auge des Wahrheitssuchers ausbreiten- in dem er ohne Rettungsring treibt. George Michael singt sein Lied, während man sich nicht Ess- Brechsüchtig sondern nur noch brechfähig von Innen nach Außen stülpen möchte um sich dieses rot weißen Giftes zun entledigen. Fröhliches Lachen wie bist du fern, wie weit weg- gerade und besonders zu Weihnachten (BEDIENEN). Gerede- Geräusch und Geruch erzeugen ein Brausen, einen Sog in dem echte Wahrheit wie der Engel der Geschichte Benjamins verzweifelt abtreiben muss ins Aussichtslose und Katastrophische. Schlimmer als nach dem Mahlstrom, steht man am Ende dieser drei Tage gealtert und mitgenommen da und muß von Neuem beginnen. Nur ein Hauch von Realität am Horizont, der noch kälter ist als der Januarwind bleibt. (Jeder bekommt den Pathos, den er verdient………………………………………..[Man trage hier seine eigene Betroffenheit ein und ergötze sich daran!]) Der kritische Weihnachtsgeist, sieht noch grausamer aus, als das Angesicht der Medusa- möge man sich hüten ihn jeh zu schauen.

(Klammernentsorgung bleibt dem Leser vorbehalten)

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