Zwei Stunden bei der Migration angestanden, Anschlußflug verpasst und jetzt im Hotel.
Im Hotel angekommen, diese kleine Entdeckung gemacht, beim Hinterhofblick…
In einer Stunde geht`s dann endlich nach Guadalajara weiter .
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Im Hotel angekommen, diese kleine Entdeckung gemacht, beim Hinterhofblick…
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Gleich vorweg, ich habe das Buch von Hegemann nicht gelesen und will es auch nicht tun.
Eines fällt mir aber auf, in den Rezensionen die ich gelesen habe, wird an keiner Stelle Roger Bartra erwähnt (welcher in meiner blogroll auch verlinkt ist). Dieser benutzt in seinem Buch „La jaula de la melancolía“ (Der Käfig der Melancholie) das Axolotl als Chiffre für die mexikanische Identität. Sein ganzer Essay bezieht sich durch Beschreibungen und Skizzen immer wieder auf jenen Schwanzlurch mit dem für uns so merkwürdigen Namen, dessen Besonderheit darin besteht, dass er sich vermehrt, noch bevor er die eigentliche Geschlechtsreife entwickelt. Er bleibt dadurch in einer morphologischen Übergangsform zum fertig entwickelten Frosch (oder was auch immer das werden sollte) stecken.
Zum selben Thema gibt’s vom Altmeister Cortázar auch noch eine Kurzgeschichte, in welcher der Erzähler ein regloses Axolotl im Schlamm betrachtet. In der Literaturwissenschaft wurde dies bisher als Chiffre der Umgang mit der indigenen Bevölkerung gelesen.
Ein tiefsinniges Starren und ein Verharren angesichts der Unmöglichkeit verschiedener Rationalitäten. Ein Unverständnis und eine merkwürdige Passivität, welche indigenen Gemeinschaften und Individuen bis heute immer wieder vorgeworfen wurde. Und so liest man dann auch noch bei Samuel Ramos und seinem kulturpolitischem Programmwerk der zwanziger Jahre zum mexikanischen Nationalismus den oder die „Indigene“ als ein „Hindernis“ zur nationalen Einheit und dem fortschrittlichen Himmelsreich heraus, welches im Sinne des Fortschritts überwunden werden muss, so zumindest Ramos.
An ein solch negatives Bild knüpfte denn auch der Umgang der mexikanischen Anthropologie mit den indigenen Gemeinschaften in Mexiko an, wenn es Bildungsprogramme und Entwicklungshilfe durch Studenten formulierte, die in die marginalisierten Gemeinden geschickt wurden um dort den Segen der Moderne überzeugend zu verbreiten, zumeist aber nichts taten, oder auch angesichts der mangelnden Mittel tun konnten, außer selbst zutiefst fasziniert Drogenberichte oder ähnliche Beobachtungen und Untersuchungen zu schreiben (dies ist vielleicht eine etwas holzschnittartige Zuspitzung des Problems, das aber im Sinne der Verdeutlichung verstanden werden soll).
Dies wurde dann erst in den frühen Achtzigern durch die linguistische Wende anders, als man entdeckte, dass Zweisprachigkeit und bilinguale Programme ein wesentliches Merkmal wirklich fortschrittlicher Bildungspolitik ausmachen müssten. Die Umsetzung jedoch scheiterte kläglich, es standen nicht genug Lehrer zur Verfügung um solch hehre Ziele auch in der pädagogischen Praxis umzusetzen. Dabei ist es bis heute geblieben und bei Roger Bartra wird das Axolotl zur Chiffre für die mexikanische Identität. Eine erzwungene Identität, die keine Zeit hat sich zu Ende zu entwickeln und auf einer Schwundstufe verharrt, müsste man sagen. Diese Schwundstufe ist der revolutionäre Pathos der mexikanischen PRI und ihr nationaler Befreiungsdiskurs:
„Pero no se trata solamente de una necesidad deol desarollo económico por salir de la crisis y del estanciamento; una gran parte de los mexicanos comienza a rechazar esa vieja cultura política que ha sido durante más de sesenta anos la fiel companera del autoritarismo, de la corupción, de la ineficiencia y del atraso. Esa cultura política es el nacionalismo revolucionario, y uno de sus componentes esenciales es lo que he denominado el canon del axolote.“
Was dies alles mit Hegemann und Airen zu tun hat weiss ich jetzt auch nicht, mir fällt aber, wenn immer mein Blick über eine Rezension stolpert nur eben auf, dass über das Axolotl und seine zumindest zwei literarisch/wissenschaftlichen Spuren und seine Wichtigkeit nicht weiter reflektiert wird. Das Axolotl jedenfalls ist keineswegs „nur“ ein mexikanischer Schwanzlurch, sondern eine ganze Menge mehr…
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Um den Posting Durchsatz meines Blogs zu erhöhen, hier eine kurze Statusmeldung ganz Twitter like. Auch weil die Klickstatistik bei Videoeinträgen ganz erstaunliche Sprünge veranstaltet, wie ich seit kurzem sehen kann.
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Futuristisch geht die Welt zu Grunde! Mich beeindrucken ja die Buchcover der mexikanischen 70er immer sehr (was mir auch an meiner Ausgabe Leopoldo Zeas sehr gefällt). Hier ein Beispiel, was das in Tanz und Bild übersetzt heißen könnte. Besonders beachtenswert finde ich auch die musikalische Untermalung der Darbietung, da klingelt Detroit schon im Innenohr und all das in einem einzigen Video, wenn das angegebene Datum stimmt! Ich bin platt und könnts immer wieder sehen…
und weils so schön war, leider nicht ganz so avanciert sondern eher new-age- pop, gegen den selbst Jodorowski Filme nicht mehr ankommen, die Verkleidungen sind vielleicht angesichts des vergangenen Karnevals etwas verspätet…
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Eure Menschenkette kotzt mich an!
Fucking MDR-Gelichter und Geschmeiss! Wie kann man nur den politischen Diskurs so unverblümt übernehmen und von den „Extremisten beider Lager“ sprechen, die sich auf der anderen Elbseite getroffen hätten! So ein schlechter Witz – ihr seid einfach nur lächerlich! Ihr wollt die Zuschauer glauben machen, wir hätten alle Streit gesucht und Steine geschmissen. Ihr nehmt eine Oberbürgermeisterin in Schutz, die lieber in den Urlaub fährt, wenn Ausländerfeindlichkeit bis auf den blutigen Höhepunkt getrieben wird und welche gedenkt, nicht ohne daran zu denken sich sorgfältig von genau der Zivilgesellschaft abzugrenzen, die immer die Opfer zu beklagen hat. Deshalb bleibt sie ja auch auf “ihrer” Seite…
Sie hält danach ihre Fresse gemeinsam mit anderen drittklassigen CDU-Plautzen wie Matthias Rössler in die Kameras und lächelt freundlich, künstlich, kotzkrampferregend. Ihr händchenhaltender Tillich bedient sich mit seiner „Der Sachse“ – Kampagne fröhlich genau der Stimmen, die an einem solchen Tag im braunen Lager stehen. Er und seine sächsische CDU geht genau in diesem seicht stinkendem Brackwasser fischen, dem wir uns entgegenstellen müssen, als ob wir das nicht schon lange gewußt hätten! Dass er dort keine Demokraten findet, versteht sich eigentlich von selbst, nur er hat es noch nicht gecheckt. Wenn es nicht soviele Gäste und Freunde aus anderen Städten gegeben hätte, die uns dabei unterstützt haben, die Neustadt zu retten, dann hätten die braven CDU-Kleinbürger händchenhaltend dabei zugeschaut wie der braune Mob über die Neustadt hergefallen wäre und uns ähnlich wie in der Nacht darauf in Pirna auseinandergenommen hätte. Der „linksalternative“ Stadtteil und der „neuralgische Punkt“ Albertplatz! Ihr seid wirklich nicht mehr zu retten! Was ihr da erzählt spricht von einer entrückten Weltfremdheit, einer Lust an der Skandalisierung, von einem Voyeurismus und einem versteckten Willen, dabei zuzuschauen wie wir von euren scharfen Jagdhunden zerrissen werden, die ihr von der Leine lasst, dass es keine Worte dafür gibt. Ganz egal ob dort am Albertplatz Frauen, Kinder und eure eigenen Jugendlichen stehen, ob dort Punks friedlich einen Fußball hin und her werfen, sich den Ball von den Polizisten mit freundlicher Nachfrage zurückholen, dass es sogar NTV erkennen lassen muß! Dort war in der Tat nichts zu holen, für eure Hetzmeute. Und dabei hättet ihr doch so gern zugeschaut! Ihr seid getriebene der immergleichen Bilder und eurer eigenen vorgefertigten Ideen von „den Chaoten“ und „den Autonomen“, „der Antifa“ oder auch gleich „den Linken“. Euer kleingeistiger Provinzialismus reicht nicht mehr aus, um zu erkennen, dass es dort gar keine einheitliche Gruppe mehr gibt, dass die Multitude dort zu ihrer Erscheinung kommt und das erste Mal in der langen Geschichte des 13. Februars erfolgreich zeigt, dass friedliche Protestformen eurer Politiksimulation etwas entgegensetzen können. “Linksalternativ” so einen diffusen Plastemüllbegriff hab ich selten und wenn, dann nur von solchen geistig umnachteteten Giftmischern wie euch gehört! Ein solch diffuser Rundumschlag, genau wie der Extremismusmist an dem ihr grad herumbastelt gehört euch ins Maul zurückgestopft, Kamera- und Mikrofonverbot bis in alle Ewigkeit! Die Diktatur der extremen Mitte, dass ist doch das einzige was ihr wollt. Gestaltloses und ästhetisch anspruchsloses Einerlei.
Dass die Polizei so ruhig geblieben ist und den Platz nicht mit aller Macht geräumt hat, dass sie gar die braunen Demonstranten nicht vom Schlesischen Platz ließ, dafür gebührt ihr Dank! Sie hat damit mehr Weitsicht bewiesen, als ihre schwarzgelben Chefs.
Dresden ich hasse dich! Deine Farben, deine Politiker, den MDR, all die Leute die euch CDU/FDP-Spacken gewählt haben. Dich, du „weltoffene Kulturstadt“ aus verottendem Barockhirngespinst kleingeistig Minderbemittelter, die wahrscheinlich zu dämlich sind zu wissen, was Barock bedeutet und blöd genug sind, vor der Semperoper, bei euerem schlechten Opernballimitat ihre Runden zu drehen. Einen barocken Künstler würdet ihr doch heute als Extremisten verfolgen müssen, denn er will nicht die Konvention, sondern immer ein Stück darüber hinaus. Menschen, deren ästhetischer Horizont nicht einmal bis zur Hoch- geschweige denn bis zur Subkultur reicht, der bloß plump an den Zwingermauern abprallt und auf sich selbst in seiner Einfalt zurückfällt, können das natürlich nicht verstehen. Ich möchte ausfallend werden und euch für eure Schamlosigkeit mit der ihr die Macht des Staates im Helikopterformationsflug über den Köpfen eurer „Mit“-bürger kreisen lasst, beleidigen. Ich möchte euch anspucken, während ihr so schamlos das Gedenken an Zivilisten mindestens ebenso instrumentalisiert, wie es eure braunen Freunde machen. Das bürgerliche Lager Dresdens ist so häßlich, wie wenige in Deutschland. Eure “Kulturstadt” ist so tot, wie bei Kästners Fabian langweilen sich hier sogar die Prostituierten noch immer! Kleinprovinzielles Spiessertum ganz gross, dass nicht davor zurückschreckt politische Gegner zu kriminalisieren. Das eure Zeit abgelaufen ist pfeiffen die Spatzen von den Dächern, da könnt ihr die Zahl eurer Fürbitter und Christenfundamentalisten medial noch so hoch schrauben, die sich vielleicht nur mit euch in die Kälte stellen und Händchen halten, weil sie nicht mehr über die Brücken gelassen wurden, die laut euch ja angeblich verbinden sollen! Es ist eine Schande, wie ihr uns gedroht habt mit euren Gummigeschossen und Pfefferpistolen im Vorfeld, was ihr unseren Leuten alles vorwerfen wolltet, wie ihr uns in zwei Elbhälften spaltet! Eure bürgerliche Klasse, die ihr hier herstellen wollt, dieser ganze gefakte Ausnahmezustandsgenerator den ihr hier aufgefahren habt, die schlechte Politik die ihr macht, entlarvt sich in ihrer Verbrauchtheit. Euer Foto ist so häßlich und schamlos wie ihr selbst! Etwas in mir möchte die Frauenkirche zerstören…
(Dieser Text entstand aus der unmittelbaren Reaktion auf einen Beitrag des Sachsenspiegels, nachdem ich durchgefroren Nachhause gekommen bin. Ein Foto des Spiegels auf dem mir Orosz, Tillich und Rössler entgegenlächelten, gab mir den Rest. Manchmal muss man seiner Entrüstung einfach freien Lauf lassen um nicht zu verbittern…Vielen Dank an alle, die mitblockiert und so zum Erfolg beigetragen haben! Es war sehr schön, sich nach 17.00 Uhr freuen zu können, auch wenn wir sicher wieder Verluste und Verletzte zu beklagen haben werden…)
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Anlässlich einer Veranstaltung an der ich als Übersetzer mitwirken möchte hier auch noch einen Informationstext zur aktuellen Lage und die Bedeutung politischer Konflikte in Mexiko. Der Text ist eine Übersetzung eines Artikels aus El País, die ich heute angefertigt habe. Der Artikel ist meiner Meinung nach ein sehr guter Kommentar zu den aktuellen Problemen der Politik in Mexiko. Ich teile die Meinung des Autoren nicht in jedem Sinne (zum Beispiel würde ich in Frage stellen dass jene Kampagne AMLO’s wirklich alle erreicht hat). Die grundlegende Analyse des offenen unbewältigten Konfliktes in Mexiko teile ich allerdings. Außerdem gehört der Käse aus Oaxaca zu meinen Lieblingsspeisen und ich mochte die Metapher sehr.
Nun möchte ich aber den Artikel für sich sprechen lassen.
[Für alle die "Oaxaca" zum ersten mal lesen und etwas schwierig finden, es wird "Oachaka" gesprochen, dann wird es einfacher...]
Raymundo Riva Palacio
Die politische Klasse Mexikos ist ein Knoten. Man weiß es, aber man tut nichts dafür ihn zu entwirren.
Im Bundesstaat Oaxaca gibt es eine spezielle Käsesorte, die den Namen des Bundeslandes trägt. Dieser Käse ist weiß, rund und wie ein Knoten geformt. Es ist vielleicht seltsam, aber so wie der Käse sind in etwa auch oaxacanischen Politiker: verwickelt und kompliziert. Genau um die Einwohner Oaxacas gibt es in den letzten Tagen in Mexiko eine große Debatte, die nicht nur mit diesen zu tun hat, die aber dadurch diesen verlogenen Beigeschmack bekommt. Es geht um eine Allianz zwischen der PAN, der Partei an der Macht, und anderen Parteien des linken Spektrums, weil es in den Wahlen im Juli um ganze zwöf Gouverneursposten gehen wird – das ist immerhin die Hälfte der nationalen politischen Gewalt – könnten zumindest fast die Hälfte davon sich zu einer Allianz zusammenschließen, um der PRI die Stirn zu bieten. Diese Allianzen haben ein politisches Trommelfeuer zwischen den einzelnen Parteien und in diesen selbst entfacht. Die Argumente sind immer dieselben: „Wie kann man eine Allianz schließen, wenn es der Ex-Kandidat der Linken, Andrés Manuel Lopez Obrador, nicht unterlässt, den amtierenden Präsidenten Felipe Calderón noch immer als „illegitim“ und „Strohpuppe“ zu bezeichnen?“.
Diese Anekdote, und mehr ist das schließlich auch nicht, hat dazu geführt, dass sowohl die Politiker als auch die Parteien Wahlallianzen aus unterschiedlichen Gründen ablehnen. Die PRIisten aus dem Grund, daß sie bei einem generellem Block gegen ihre Kandidaten in einigen der wichtigen Staaten diese Provinzen verlieren könnten. Die PANisten und die PRDisten zögern deshalb, weil sie der Dynamik ihres eingeschlossenen internen Auseinandersetzungen noch immer folgen. Aber die zur Schau gestellte Ablehnung der Allianzen haben keinen Sinn. Sie gehören bereits seit längerem zum Bühnenspiel mexikanischer Politik und sind laut der bundesstaatlichen Wahlgesetze für Oaxaca und auch in allen anderen 32 Bundesstaaten Mexikos erlaubt, welche die Abgeordneten aller Parteien selbst verabschiedet haben.
Die Intrige ist nicht, daß jetzt alle die „bastardische Natur“ einer solchen Allianz hervorkehren, extreme Stimmen nennen sie gar „undemokratisch“, sondern dass sich die öffentliche Meinung fesseln lässt von der Faszination an einer solchen politischen Pyrotechnik. Wenn es zwölf Governeursplätze gibt um die gerungen wird, für mindestens sechs davon eine Allianz von PAN und PRD im Gespräch war, warum ist es ausgerechnet der oaxacenische Gouverneur auf den rhetorisch geschossen wird?
Aus dem einfachen Grund, weil genau diesem eventuellen Kandidaten, dem Senator Gabino Cué, bedingungslos von Seiten López Obradors geholfen wurde. Beide betreiben über Monate hinweg eine Basiskampagne von Dorf zu Dorf bis in die marginalsten Gemeinden Oaxacas. Es gibt keine andere Allianz, in der die Beziehung zwischen dem Kandidaten und López Obrador so organisch und eng ist, wie in der Oaxacas, was den Kern der Debatte deutlich macht, der nicht diskutiert wird. Was noch immer ohne Lösung ist, das ist der Konflikt um die Wahlstreitigkeiten zur Präsidentschaftswahl von 2006, als Calderón die Wahl gewann und López Obrador um die 250.000 Stimmen verlor, die nie anerkannt wurden. Das ist das Problem im Hintergrund. Heute nennt man es Wahlallianzen, aber man könnte es auch anders nennen. Die Kategorisierung ist nur ein Vorwand für das echte ungelöste Problem der Auseinandersetzung um die Wahl, die Mexiko seit 2006 fest im Griff hat. Dieser Streit zieht sich auch durch den Wahlkalender hindurch, obwohl López Obrador weiterhin an Popularität verliert und seine Umfragewerte sinken, repräsentiert sein Wort doch noch immer das einer moralischen Autorität und eines politischen und sozialen Führers, dem ein bedeutender Teil der Mexikaner folgt, egal wohin und egal für was. López Obrador ist der einzige Politiker, dessen politisches Gewicht sich direkt in Stimmen messen lässt, wie er es in den Wahlen im letzten Sommer eindrucksvoll gezeigt hat, als sich die Zusammensetzung des Kongreßes erneuerte, und bei dem er aus Gründen der Uneinigkeit mit seiner Partei PRD eine Kampagne für die Partei der Arbeit (PT) fuhr. Die Verwirrung die López Obrador unter den linken Wählern stiftete war eine schmerzende Teilung für die PRD. Deren Stimmen fielen noch unter das Niveau von 1997 und sie wurden als dritte Kraft im Abgeordnetenhaus abgelöst. In zehn Wahlbezirken wurden sie sogar nur viertstärkste Kraft hinter den mexikanischen Grünen (Partido Verde), die eine Allianz mit der PRI eingegangen war. Sie verloren die meisten ihrer vorherigen Bastionen im Bundesland Mexiko City an die PRI und mußten zusehen wie sie mehr als fünfzig Prozent ihrer Kräfte in der Hauptstadt gegenüber der PAN einbüßten. Die Arbeiterpartei (PT) hingegen, die vorher immer Mühe hatte wenigstens zwei Prozent der Stimmen zu erreichen um gezählt zu werden, wurde auf sechs Prozent katapultiert und konnte die Mandate für Iztapalapa erobern, einer der sechzehn Wahlkreise in welche die Hauptstadt aufgeteilt ist. Dieser hat ungefähr zwei Millionen Einwohner und einen Jahresetat von ungefähr 3500 Millionen mexikanischer Pesos (269 Millionen Dollar).
Die Verwirrung die López Obrador also unter der gewählten Linken ausgelöst hat, führte also zu einer Teilung, deren Kosten immens waren. Dieses ganz spezielle politische Gewicht macht Obrador zu einem vorsichtigen Gegner. Aber er ist ein komplexer und schwieriger Rivale. Komplex weil seine fundamentalistische Natur ihm jede Form von Pragmatismus verbietet. Schwierig weil seine Welt nur Schwarz und Weiß kennt. Es ist ein Politiker der seine Kraft aus der sozialen Agitation gewinnt und den Protest bishin zu den Grenzen der Legalität treibt, immer darauf bedacht nicht das Gesetz zu verletzen. Seine Charakteristiken führten bisher immer zur Polarisierung, wie zum Beispiel in Tabasco, ein Staat im Südosten des Landes wo er um das Gouverneursamt kämpfte. Er hat das Ergebnis der Ablehnung nie akzeptiert und bereits seit mehr als einem Jahrzehnt den Protest injeziert, der diese Gemeinschaft spaltet. 2006 gelang ihm etwas ähnliches auf nationalem Niveau, als er eine politische Revolte anführte, die das Land bis heute spaltet. Man kann ihm aber diese Polarisierung die seit 2006 anhält nicht allein vorwerfen. Der damalige Präsident Vicente Fox hatte eine Kampagne losgetreten, die gerade gegen López Obrador gerichtet war und mit dem er ihn für eine kleine administrative Verfehlung als Governeur von Mexiko City ins Gefängniß werfen wollte. Das war auch nicht viel mehr als die negative Kampagne des Kandidaten Calderón, der sie nach dem rhethorischen Dreh gebaut hatte: „Lopez Obrador ist eine Gefahr für Mexiko!“. Die Gesellschaft Mexikos war bereits infiziert von jener politischen Klasse, die sich nur noch nach der aktuellen Konjunktur und nicht nach dem Morgen richtet. Die kürzlich entfachte Debatte um die Allianzen hat genau dies alles zu Grunde liegen. Der Konflikt von 2006 bleibt ohne Lösung, so vermitteln es jedenfalls die kommunizierenden Röhren die zur mexikanischen Politik gehören und einige verkümmerte Leitungskanäle zur Voraussetzung haben. Der unordentliche politische Zustand schadet Calderón und nützt López Obrador, der den Konflikt so drigend braucht wie der an Lungenentzündung Erkrankte seinen Sauerstofftank um zu überleben. Calderón hat Eile ein Stützgerüst zu bauen um zu zeigen, daß sein Vorpreschen in die Regierung die Mühe wert war. López Obrador hat alle Zeit der Welt, um sein Projekt zu konstruieren. Bei den politischen Erschütterungen die man heute in Mexiko lebt kann alles passieren, weil die Ungewißheit über irgendeine institutionelle Übereinkunft groß ist. Es kann keine wirklichen verändernden politischen Reformen geben, weil es dieser Konflikt verhindert. Es kann auch keine Neuordnung geben, auf die alle so drängen weil ein signifikanter Teil der Gesellschaft diese boykottieren würde. Es gibt auch keine Kompromiße die man auf lange Sicht schließen könnte, weil die menschlichen Faktoren die nun einmal interagieren immer 2006 als Basis der Verhandlung und des Mißgunstes haben. Die Wahlallianzen zeigen nur die wahre Größe des ganzen Problems im Hintergrund, zu dessen endgültiger Lösung die Politik bis jetzt nichts beitragen wollte. Ohne Zweifel kann man proklamieren, daß heutzutage die politische Klasse Mexikos oaxacenisch ist: verwickelt und verworren. Man weiß es, aber man tut nichts um sie zu entwirren und es scheint auch niemanden zu interessieren.
Raymundo Riva Palacio ist der Chef des Netzwerkes http://www.ejecentral.com.mx/
Die allgegenwärtige Beredtheit zeugt nur von Vergessenheit. Über die Gründe des Schreibens hält man sich in der Regel bedeckt. Man versucht Seiten zu füllen ohne auf den aktuellen Anlaß des Sprechens zu verweisen. Die Medien sind interessanter, wenn man versucht von dem zu reden, was sie verschweigen.
So werden beispielsweise in der Sächsischen Zeitung lieber Straßenbauproblematiken in den Mittelpunkt [„Aufreger“] gestellt, als an wirkliche soziale Defizite erinnert. Migration ist nur einer davon. Migrant_innen kommen als wirkliche Menschen bei uns genausowenig zur Sprache wie überall sonst. Die echten Menschen werden ersetzt durch Schablonen, welche die Medien liefern und an welchen sich die professionellen Abschreibern lieber laben, anstatt sich der Arbeit auszusetzen, Neue zu erfinden.
In der „realistischsten“ Erzählform der Reportage von heute, wird das hundert Jahre alte Problem des Naturalismus am wenigsten bedacht. Die Welt abzubilden ist nicht möglich, das Vorhandene weiter zu zementieren jedoch wird allerorten weiter vorangetrieben. Der Migrant mit Kopftuch ist das Problem sagen sie uns, welches als Chimäre erkannt zu haben und kritisch anzusprechen die wenigsten Stimmen im herrschenden Diskurs mächtig sind. Wir haben uns an den Doppelsprech in Politik und Medien schon lange gewöhnt. Eigentlichkeit findet, wenn überhaupt nur noch in der Literatur und vielleicht noch in Kunstkinos oder auf dem Theater statt. Sich dieser Redeweise überhaupt auszusetzen haben die wenigsten den Mut und die Kraft. Die Seinsvergessenheit geht soweit, dass man sich in den Erzählungen des kleinen Glücks lieber zu Hause fühlt als in den Geschichten der großen Misere. Der neospiessige Biedermeier mit selbtgefü(h/l/r)lter Koksnase der Technokratenrepublik ist allgegenwärtig. Das und nur das ist der Sinn und die Aufgabe der Banalität und den Klischees entgegenzutreten, vielleicht kann man ja noch Hilfe von der Berliner Schnauze erwarten. Dies ist kein Gutmenschentum, sondern vitales Interesse [Achtung: pastorales Pathos!] eines jeden, der in einer Welt leben möchte, welche sich nicht selbst verwaltet, sondern Platz eröffnet, um zum Glück erst einmal den Weg zu suchen.
Bei einem Gespräch in der Arge (nicht Arche!) wurde dies zum wiederholtem Male deutlich. Denn es handelt sich ja schliesslich um eine „Einigung“ um die es geht, wenn man sich selbst unter Aufsicht der Bearbeiterin zu weiteren Bemühungen auf dem ersten Arbeitsmarkt verpflichtet. In die Pflicht genommen gibt man sich dann auch hin und signiert jenen nichtswürdigen Text, der zum wichtigsten Instrument geworden ist. Unser Credo in dürftigen Zeiten. Ich glaube an den Erfolg der fünfzehn Bewerbungen pro Gewährungszeitraum! Unnötig linguistische Einwände zu zitieren, in den Angestelltenköpfen der Gegenüber gibt es schlicht und einfach keinen Platz für solche Gedanken. Und so lässt man sich wie in Jugendjahren dazu hinab, sein Zimmer aufzuräumen, wenn die Mutti sagt: „laß UNS doch bitte Ordnung machen.“ Genau nach diesem Schema sagt die Mehrheitsgesellschaft integrieren. Wir wollen nichts wissen von euch, wir wollen keine echten Worte sprechen, wir wollen handeln in unserer hektischen Bewegtheit, die ihren Grund im Fortbestehen des Status Quo hat. Nichts soll sich ändern, deshalb interessieren wir uns nicht einmal mehr.
Wir stehen nicht zwischen den Dingen, sondern auf unserem bis an die Zähne bewaffnetem Standpunkt. Dass dieser der Beste ist, dazu dient uns in den gebildeten Köpfen noch Hegel. In den Ungebildeten ist es schlicht und ergreifend die Macht des Faktischen. Wir sind nun einmal hier und im Besseren zu Hause. Genau deshalb ist der Deutsche im Ausland auch blind, denn er versucht nur die Unterentwicklung, die vorher schon ausgemachte Sache ist, zu finden. Auch der kleinste Hartz 4ler wird dann noch anfangen von den Errungenschaften der deutschen Autoindustrie zu schwärmen, von denen er zu Hause bei N24 träumt.
Jener Standpunkt und die Angst vor dem Ungewissen einer offenen Zukunft ist auch der Grund, weshalb sich der Wahlbürger lieber zu einer sophistischen Märchenerzählerpartei hinreissen lässt, die ihm Bilder vom marktradikalem Schlaraffenland vorhält, ungefähr so, wie es auf den Marktplätzen der Frührenaissance jene Buchvorleser mit den Holzschnittabbildungen machten, die jedes Kapitel eröffneten. Der Märchenerzähler ist nicht jene freundliche Oma, die ihren Fensterladen öffnet und sich herabneigt, auch nicht der Sandmann, sondern der parlamentarisch verlängerte Arm derer, die uns dahin gebracht haben, wo wir jetzt sind und das Ganze auch noch als etwas Gutes bezeichnen, obwohl sie auf die Gefahren des „Außen“ verweisen, wenns kritisch wird. Dann streuen sie sofort Sand in die Augen oder Salz in die Wunden und dann geht’s eben auch ohne Abendgruss ins Bett, aber sofort: „Keine Faxen für Sachsen.“
Dass die Migrant_innen nicht von Außen zu uns, sondern aus uns selbst geboren sind, klingt metaphysisch und ist doch die einzige Wahrheit zu der wir fähig sein sollten. Wir (Europa) haben die Welt schliesslich historisch zwangsglobalisiert und wehren uns jetzt, die Suppe auszulöffeln. Wir können uns nicht einmal mehr dazu hinreissen lassen, still zu warten, bis uns die Geschichte überholt, sondern sind schon wieder dabei unsere „Meinungen“, auf die der Vulgärindividualismus sehr stolz ist, am Hindukusch und überall sonst in der Welt zu verteidigen. Dass dies Niemandem auffällt, liegt an der geschickten Tarnung als bewaffnetem Ratschlag zur Selbsthilfe. Als solche verpackten ihn noch die Conquistadorenseelenretter, über deren Verbrechen wir uns heute aufgeklärt zutiefst entrüsten können. Denn bei uns geht’s um Freiheit und Demokratie und für diese beiden geschundenen und durch unsere Gassen geschleiften, abgehalfterten Wesenheiten (denn nur als solches kennt man sie hier, über deren Doppeldeutigkeiten und Janusköpfe sprechen höchstens Philosophen oder linke Spinner), empfinden wir immer noch irgendwie Sympathie, obwohl sie allerorten dahinschmilzt unter dem Druck der mangelnden Handlungsoptionen und der „lauernden Gutmenschen“, die nur darauf warten jene alten Vetteln aufs neue auf ihre Fahnen zu spiessen und rumzutragen. Wir wissen nicht, wer mehr Angst macht: Leute die von Gutmenschen sprechen, oder echte hypothetische Gutmenschen.
Die Gleichheit und Brüderlichkeit, die lassen wir besser in der Ecke liegen. Ich glaube die haben Aids oder zumindest Schweinegrippe, um die kümmern sich bei uns jetzt die kirchlichen Einrichtungen.
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